Triumph des Handwerks am „Welcome Day“ des Frequency

Nach faszinierende Auftritten von Ed Sheeran und „The Black Keys“ gab‘s zur großen Abschlussparty am Mittwoch Pop mit Zuckerguss von „The Killers“.

St. Pölten - Das FM4 Frequency hat am Mittwoch in St. Pölten mit einer Neuerung begonnen. Zum ersten Mal gab es einen „Welcome Day“ mit im Vergleich zu den folgenden Tagen reduziertem Programm. Die Premiere war überaus gelungen: Zur ausgelassenen Party in den Abendstunden steuerten The Killers den perfekten Soundtrack bei. Den stärksten Eindruck hinterließen aber die zuvor aufgetretenen The Black Keys und Ed Sheeran, die sich mit handwerklichem Können und Bauchgefühl abseits allen kommerziellen Kalküls die Gunst des Publikums erarbeiteten. Ihre Gastspiele wurden zum Triumph.

The Killers wissen, wie man eine gut gelaunte Masse - bei noch dazu perfektem Open-Air-Wetter - unterhält. Hymnen und Hits feuerte die Gruppe um Frontman Brandon Flowers ab (von „Spaceman“ über „For Reasons Unknown“ bis zu „Read My Mind“ und „Mr. Brightside“), kleisterte den Sound mit Bombast zu und ließ die Darbietung mit viel Licht, bunten Visuals auf einem großen Screen und gegen Ende, als die meisten Besucher glücklich in den Armen lagen, mit einem Konfettiregen unterlegen. Dass man mit der neuen Single „Runaways“ loslegte, war ein gutes Zeichen, später folgte mit „Miss Atomic Bomb“ eine vielversprechende weitere Nummer aus dem demnächst erscheinenden Album „Battle Born“.

Ob man einen Song von Joy Division („Shadowplay“) in einer The-Killers-Version brauchte, sei dahingestellt. Wesentlich mehr Reaktion erzielten die Glitter-Popper aus Las Vegas mit dem Anspielen von Alphavilles „Forever Young“. Wer diese 80er-Jahre-Hymne stürmisch feierte, war auch bei „Human“ sehr gut aufgehoben. Kein Wunder, dass Flowers ständig grinste: Die Killers-Formel zieht noch immer.

„Black Keys“ mit dreckigem Rock

Aus einer ganz anderen Welt, wenn auch aus Amerika, kommen The Black Keys, oft in einem Atemzug mit dem Wort Lo-Fi genannt. Das Duo aus Ohio hat sich mit einem derben, rauen und reduzierten Sound zum dreifachen Grammy (2011) gearbeitet. In Niederösterreich ließ die Band einen faszinierenden Bastard aus Garagenrock der Sechziger, Blues, Boogie, Country und Soul von der Kette, der den Zuhörer packte und nicht mehr losließ - man konnte bloß staunen und genießen. Und obwohl man sich für die Tour mit einem Keyboarder und Bassisten verstärkte, gaben die präzisen, wuchtigen und leidenschaftlichen Rhythmen von Drummer Patrick Carney und der Gesang sowie die sensationelle Gitarrenarbeit von Dan Auerbach den Ton an.

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Egal ob „Howlin‘ For You“ (der Opener), „Next Girl“ oder „Lonely Boy“ (vom aktuellen, großartigen Album „El Camino“), The Black Keys rockten und vor allem rollten auch. Auerbach entlockte seinen verschieden Gitarren brachiale bis feinfühlige Töne (beides zusammen im famosen „Lonely Boy“), schredderte oder zauberte auf den Saiten. Unglaublich, welch perfekten Klang die Gruppe und ihre Techniker produzierten, wie Auerbach und Carney mit simplen Beats oder Riffs als Ausgangslage ganz große Songs aufbauten. Das wirkte handwerklich meisterlich und zugleich emotional spontan. Ins finale „I Got Mine“ packten The Black Keys alle vorangegangenen Elemente in einen Song, was an Dramatik an diesem Tag nicht überboten werden konnte.

Ed Sheeran sprengte Genregrenzen

Sensationell auch die Vorstellung von Ed Sheeran. Der britische Sänger und Songschreiber stand alleine mit seiner Gitarre und einem Loop-Gerät auf der Bühne und sprengte mit einer leidenschaftlichen Mischung aus Pop, akustischem Soul, Hip-Hop und Reggae die Genregrenzen, ja sogar eine Jazz-Coverversion konnte der 21-Jährige dem Publikum schmackhaft machen. Er improvisierte, rackerte, scherzte, bezog die Menge mit ein, harmonierte und fetzte zwischendurch sogar heavy. „Eine nette Popmelodie könnte ich jederzeit schreiben. Aber die wirklich guten Songs sind die, die man nicht plant, sondern die aus einem Gefühl heraus entstehen, bei denen man jedes Kalkül außer Acht lässt“, sagte der Brite im APA-Gespräch. Davon hat er offensichtlich eine Menge auf Lager.

Begonnen hatte der bunte Reigen mit dem deutschen Rapper Cro, der gut ankam, der aber an seinen Ansagen noch hart arbeiten sollte. Mit seinem Hit „Easy“ nahm jedenfalls einer der besten Festivaltage seit langem Fahrt auf. Der „Welcome Day“ mit vier unterschiedlichen Acts, die noch dazu die Erwartungen ihrer Fans erfüllten, war eine willkommene Ergänzung zu überbordenden Programmen auf fünf Bühnen.

(Von Wolfgang Hauptmann/APA)


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