Schwazer Heim St. Martin hat „Mädchen für Haushalt vermietet“

Mädchen aus dem Heim St. Martin in Schwaz sind offenbar auch als Haushaltshilfen vermitet worden.

Von Nina Werlberger

Schwaz –Nicht nur Firmen wie Swarovski oder Darbo wurden vom Schwazer Heim St. Martin offenbar die Dienste der Bewohnerinnen angeboten, auch als Haushaltshilfen sollen die Mädchen gearbeitet haben. Wie ein Schwazer Unternehmer der TT sagte, der namentlich nicht genannt werden will, habe seine Familie etwa zwischen 1953 und 1958 mehrere Mädchen stundenweise im Haushalt beschäftigt. Sie haben in der Küche geholfen, Wäsche gewaschen, gebügelt und das Haus in Ordnung gehalten. „Diese Dienste wurden vom Heim angeboten. Es war damals eine ganz normale Vorgehensweise, dass diese Mädchen vermietet wurden“, sagte der heute 69-Jährige. Nicht nur junge Frauen aus Tirol seien das gewesen, dem Dialekt zufolge stammten sie auch aus anderen Bundesländern, erinnert sich der Mann.

Die 15- bis 18-Jährigen seien teilweise mit einer Aufsicht in den Haushalt gekommen. In einem Kuvert, so erinnerte sich der Mann, haben sie eine Stundenabrechnung geführt.

Das Heim St. Martin ist wegen Missbrauchs und Gewalt gegen Kinder bis in die 80er Jahre hinein in die Schlagzeilen geraten. Ehemalige Heimbewohner hatten vor einigen Jahren von Prügel-Orgien und teilweise auch sexuellem Missbrauch in mehreren landeseigenen Erziehungseinrichtungen berichtet, das Land Tirol begann daraufhin mit einer breitangelegten Aufarbeitung und ab 2010 mit Entschädigungszahlungen an die Opfer. Die landeseigenen Fürsorgeanstalten wurden in den 70er und 80er Jahren geschlossen.

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