Nicht nur Hexen tragen Warzen

Viruswarzen an Füßen oder Händen sind harmlos, aber lästig und ansteckend. Vor allem Kinder sind empfänglich für die Hautgeschwulste. Oft hilft nur abwarten und vereisen.

Von Nicole Unger

Innsbruck –Im Märchen tragen böse Hexen Warzen auf der Nase. Trotzdem sind die kleinen Hautgeschwulste keine Mär, sondern Realität und plagen fast jeden einmal in seinem Leben. Klassische Warzen befinden sich seltener auf Nase und Kinn, sondern typischerweise auf Händen und Füßen und sind harmlos, beruhigt der Schwazer Hautarzt Christian Kranl, leider aber auch ziemlich lästig und nur schwer loszubekommen. Auf der Fußsohle sind Warzen zudem schmerzhaft, weil das ganze Körpergewicht auf ihnen lastet. Da sie sich durch den Druck nach innen stülpen und wie ein Dorn in die Knochenhaut hineinwachsen nennt man diese Übeltäter Dornwarzen.

Die Verursacher der Warzen sind Humane Papillomviren (HPV). „Das Warzenvirus gibt es seit jeher, schon Ötzi hatte Warzen“, weiß Kranl. Bei einigen würde das Virus ausbrechen, bei anderen nicht. Besonders gefährdet sind immungeschwächte Personen oder Kinder. Studien zeigen, dass 20 Prozent aller 12-Jährigen eine Warze haben. Bei den 50-Jährigen sind es hingegen nur zwei Prozent.

Übertragen werden die Plagegeister meist über eine Schmierinfektion oder kleine Verletzungen, etwa über einen Handschlag oder im Schwimmbad. Ein Badbesucher, der eine Fußwarze hat, bewegt sich z. B. barfuß am Beckenrand, seine Viren bleiben auf dem Boden haften. Der Nächste tritt hinein und hat eine „bleibende Erinnerung“. Vor allem bei Kindern bilden sich dazu häufig Satellitenwarzen, etwa am Kinn, da sie mit den Händen weitergetragen werden. Vorbeugen ist nur begrenzt möglich. HPV-Viren sind ziemlich resistent. Fußhygiene oder Badeschlapfen können das Risiko zumindest reduzieren.

„Warzen heilen spontan wieder ab und verschwinden von selbst“, sagt Kranl. Dies kann aber mehrere Monate dauern. Gerade bei schmerzhaften Dornwarzen können Betroffene den Hautarzt aufsuchen. Der erste Behandlungsschritt besteht bei Fußwarzen darin, die Hornhaut abzuhobeln, um den Druck zu reduzieren. Dann wird die Hornhaut mit einem Bimsstein oder einer Salicylsalbe aufgelöst und ein Hornhautpflaster aufgeklebt. Dagegen, kleine Warzen zuhause selbst abzuhobeln, spricht nichts, erklärt der Dermatologe. Allerdings sollten diese nicht abgezwickt werden, da sie sonst bluten und erneut übertragen werden.

Besonders hartnäckige Warzen werden mit Sprays vereist. Es gibt Sprays für Laien aus der Apotheke, sie sind laut Kranl aber wenig effektiv, weil sie eine niedrige Vereisungstemperatur aufweisen. Der Hautarzt verwendet flüssigen Stickstoff, operiert wird nur sehr selten. „Warzen an den Händen werden nur vereist“, ergänzt der Arzt.

Nicht selten suchen Betroffene Hilfe bei Naturheilern, die Warzen besprechen. „Das schadet sicher nicht“, erklärt der Schulmediziner. Alle Möglichkeiten, die Selbstheilungskräfte aktivieren und das Immunsystem aufbauen, sollten angewandt werden. Wenn Warzen abgetragen werden, können sie durchaus noch einmal auftauchen, vor allem wenn das Immunsystem geschwächt ist, weiß Kranl.

Gefährlich kann allerdings eine Art von Warzen werden. „Feigwarzen werden beim Geschlechtsverkehr übertragen“, sagt Kranl. Diese Warzen können im schlimmsten Fall zu Gebärmutterhalskrebs, einem Scheidenkarzinom oder – eher selten – zu einem Peniskarzinom führen. „Eine HPV-Impfung würde hier Schutz bieten“, betont der Dermatologe.

Mit einer Virusinfektion nichts zu tun haben Fibrome oder Pendelwarzen. Das sind Hautveränderungen, die oft an Hals, Oberlid oder Nacken auftreten. Diese sind nicht infektiös, sondern ein rein kosmetisches Problem und lassen sich mittels Laser abtragen.


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