„Ich hoffe, dass die Preise für Lebensmittel steigen“

„Lebensmittel waren noch nie so billig wie heute“, sagt Josef Hechenberger und spricht von einer „betriebswirtschaftlichen Katastrophe“ für die Bauern.

Innsbruck –Angesichts der immer weiter steigenden Preise für Grundnahrungsmittel könnte ein seit längerer Zeit unpopuläres Thema wieder an Bedeutung gewinnen: die Selbstversorgung. Wenn Importe immer teurer werden, könnte sich Tirol in vielen Bereichen auf selbst hergestellte Produkte verlassen, schätzt Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer: „Im Bereich der Milchproduktion haben wir in Tirol Vollversorgung. Zusammen mit Molkereiprodukten wie Käse und Joghurt ist das unser Hauptstandbein.“

Bei vielen weiteren Produkten ist man zwar nicht unbedingt auf Importe angewiesen, eine große Produktvielfalt bietet Tirol in der Fleisch-, Obst und Gemüseproduktion jedoch nicht: „Bei Rindfleisch wird jedes Jahr mehr für die heimische Bevölkerung produziert, auch bei Äpfeln sind wir unterwegs in Richtung Vollversorgung“, erklärt Hechenberger. Bei Schweinefleisch sei die Eigenproduktion hingegen minimal, Südfrüchte würden aufgrund des Klimas praktisch überhaupt nicht angebaut. Auch beim Gemüse ist die durch Import hergestellte Vielfalt rein durch Tiroler Produkte nicht abzudecken. „Hier gäbe es vor allem im Winter ein Problem“, sagt Hechenberger.

In Panik geraten solle man ob der steigenden Lebensmittelpreise aber nicht – ganz im Gegenteil, meint Hechenberger: „Derzeit geben Konsumenten in Tirol 5 % ihres Monatseinkommens für Nahrung aus, vor 30 Jahren waren es noch 30 %. Lebensmittel waren noch nie so billig wie heute.“ Andererseits würde die Landwirtschaft aber extrem unter den steigenden Preisen für Futtermittel und Getreide leiden. „Deshalb hoffe ich, dass die Lebensmittelpreise steigen – vor allem in der Milchproduktion sind die aktuellen Preise eine betriebswirtschaftliche Katastrophe“, betont Hechenberger. (cs)

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