Koller freut sich über Selbstvertrauen vor WM-Quali

Der ÖFB-Teamchef zog nach dem Testspielsieg über die Türkei eine positive Bilanz.

Wien – Einen Tag nach dem 2:0-Testspielsieg über die Türkei hat Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller zufrieden Bilanz gezogen. Der Erfolg über die Nummer 30 der Weltrangliste sei vier Wochen vor dem WM-Qualifikationsauftakt gegen Deutschland wichtig fürs Selbstvertrauen, erklärte der Schweizer am Donnerstag und freute sich, dass die ÖFB-Auswahl einige seiner Vorgaben umgesetzt hatte.

Führung brachte keine Ruhe

„Die Eindrücke sind überwiegend positiv, obwohl noch viel Arbeit auf uns wartet“, sagte Koller. „Wir hatten einen guten Start, konnten die Türken überraschen und haben gleich zwei Tore erzielt.“ Durch die schnelle 2:0-Führung kehrte allerdings sehr zum Missfallen des 51-Jährigen keine Ruhe ins Spiel der Österreicher ein. „Wir waren in Ballbesitz oft zu hektisch. Das lag aber auch an den Türken, die sehr gut attackiert haben.“

In dieser Phase habe sich seine Mannschaft in ein „Schneckenhaus“ zurückgezogen. „Es wäre gut, wenn wir wie zuvor weitergemacht hätten, aber das ist eben in den Spielern drin, dass man bei so einem Spielstand automatisch zurückgeht.“ Immerhin hielt die ÖFB-Abwehr dem Druck der Gäste stand. „Wir haben das mit viel Leidenschaft gelöst“, meinte Koller.

„Auftreten bei Ballbesitz muss verbessert werden“

Bis zum Deutschland-Match gelte es nun, das Auftreten in Ballbesitz zu verbessern. „Da brauchen wir mehr Ruhe, und wir müssen uns mehr in der Hälfte des Gegners festsetzen“, forderte der Nationaltrainer, merkte aber auch an: „Ein Defensiv-System zu trainieren ist einfacher als eine perfekte Offensive aufzubauen, weil da das kleine runde Ding dazukommt. Da geht es um Technik, Laufwege und Dribbelkünste.“

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Der Coach wagte im letzten Härtetest vor der WM-Qualifikation noch das eine oder andere Experiment - so kam etwa Christian Fuchs auf der linken Mittelfeldseite zum Einsatz. „Ich hatte diese Idee schon länger im Kopf, weil auch Suttner links hinten spielen kann“, verriet Koller. Dieser Test brachte offenbar das gewünschte Ergebnis. „Fuchs ist eine Option für diese Position. Es ist immer gut, wenn man Spieler hat, die auf mehreren Position spielen können.“

Gleiches gilt für Martin Harnik, der diesmal auch aufgrund des Trainingsrückstands von Marc Janko als Solospitze aufgestellt wurde. „Er kann diese Position spielen, außerdem wusste ich, dass die Türken hoch stehen werden, da ist seine Schnelligkeit ein Vorteil“, sagte Koller über den Stuttgart-Legionär, der an beiden Toren beteiligt war. Vor dem 1:0 ließ er keinen kontrollierten Abschlag des Goalies zu, danach holte Harnik den Elfmeter zum 2:0 heraus.

Prödl/Pogatetz wohl gesetzt

Die Türkei-Partie brachte auch noch weitere Aufschlüsse. Zum Beispiel, dass Robert Almer als Einser-Goalie in die WM-Quali gehen dürfte, obwohl sich Koller zu diesem Thema noch zurückhaltend äußerte. „Es bringt nichts, jetzt zu sagen, wer die Nummer eins ist, und dann verletzt er sich.“ Außerdem dürfte mit Sebastian Prödl/Emanuel Pogatetz das Innenverteidiger-Paar stehen.

Für dieses Duo und gegen Aleksandar Dragovic spricht laut Teamchef unter anderem die Körpergröße. „Wir wissen aber, was Dragovic kann. Er ist noch jung und hat bei mir immer absolute Top-Leistungen gebracht. Es ist wichtig zu wissen, dass wir ihn bedenkenlos bringen können, wenn etwas passiert.“

Nach dem fünften Match unter seiner Führung (drei Siege, ein Remis, eine Niederlage) sieht Koller die ÖFB-Auswahl noch lange nicht am Zenit angekommen. „Zu sagen, wir sind bei 90 Prozent, wäre zu hoch. Aber seit dem ersten Länderspiel hat sich etwas entwickelt. Wir haben jetzt einen Stamm, der gut harmoniert, auch wenn immer der eine oder andere wegfallen kann.“

Diese Erkenntnis stimmt Koller für das Duell mit Deutschland am 11. September im Wiener Happel-Stadion optimistisch. „Aber wir wissen, dass wir in diesem Spiel wieder bei Null beginnen.“ Die scharfe Kritik an der DFB-Mannschaft nach der 1:3-Heimniederlage am Mittwoch gegen Argentinien und die damit verbundene Gefahr, Deutschland könnte nun gegen Österreich noch engagierter zur Sache gehen, lässt den Teamchef kalt. „Wir können nur auf uns Einfluss nehmen. Ob Deutschland Europameister wird oder nicht, hat für unser Spiel keine Auswirkungen“, sagte der Schweizer, gab aber auch zu: „Wenn es um die Wurst geht, sind die Deutschen immer sehr konsequent.“ (APA)


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