Charles Darwin auf vier Rädern

Nur wenige gaben dem BMW X6 anfangs reale Überlebenschancen. Nach vier Jahren und 155.000 verkauften Exemplaren hat die Kreuzung aus Geländewagen und Sportcoupé ihr Biotop abgesteckt.

Von Markus Höscheler

Innsbruck –Viele Freunde hat er sich zunächst nicht gemacht, als Charles Darwin im 19. Jahrhundert über die Entstehung der Arten schrieb. Dabei rückte er den Menschen näher zum Affen, als den Erstgenannten lieb war, und machte den Fortbestand der Spezies von ihren Fähigkeiten abhängig, sich der Umwelt anzupassen. Mit Darwin gemein hat der BMW X6 im 21. Jahrhundert, dass er mit seinem Erscheinen vor vier Jahren nicht viele Sympathien gefunden hat. Als zu aggressiv galt sein Design, als zu wenig nützlich seine Konstruktion, eine Mischung aus Geländewagen und Coupé. Doch dem Gegenwind hat der X6 nicht nur standgehalten, er hat sich durchgesetzt. 155.000-mal haben ihn die Autohändler weltweit verkaufen können, ein Flop sieht anders aus. Sein Überleben ist mehr als garantiert, seine Verbreitung dürfte auch in den kommenden Jahren dank eines vorsichtigen Facelifts zunehmen.

Unterschätzt haben die Skeptiker offenbar, dass die ungewöhnliche Karosserieform eine Ästhetik ausstrahlt, die vielen Kunden gefällt. Eine hinten abfallende, lange Dachlinie auf einem hochbauenden Fahrzeug, das zudem über Allrad verfügt, fällt auf. Und auffallen, das wollen viele. Zudem hat BMW seinem SUV-Coupé Gene spendiert, die es in die Kategorie „Survival of the fittest“ hieven. Das Allradsystem xDrive etwa macht es tauglich für alle vier Jahreszeiten, befähigt es nicht nur für asphaltierten Untergrund, sondern auch für Schotterweg, für Schnee und Eis.

Das allein wäre aber zu wenig, verfügte der X6 nicht von Anfang an über die Dynamic Performance Control (DPC), die ihm praktisch bei der Geburt ebenso ein Alleinstellungsmerkmal verschaffte wie seine Formensprache. Bei der DPC handelt es sich um ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse, das auch im Schubbetrieb aktiv und an die Fahrbedingungen angepasst das Drehmoment verteilt. Mit dieser Selektion gelingt es dem X6, selbst in engen Kurven Haltung und Spur zu wahren – beachtlich für ein SUV dieser Größe.

An diesen X6-Stellschrauben brauchte BMW nicht viel zu drehen, dafür bei der Motorengetriebekombination. Mit dem X6 M50d gibt es einen 381 PS starken Neuankömmling inklusive Sechszylinder-Triturbodiesel, der X6 ActiveHybrid fällt in unseren dieselverwöhnten Breiten jedoch mangels Akzeptanz aus. Apropos Diesel – eine Klasse für sich ist der Dreiliter-Reihensechszylinder im X6 xDrive40d, der 600 Newtonmeter Drehmoment schon ab 1500 Umdrehungen/Minute bereitstellt. Spielerisch geht das 306 PS starke Triebwerk mit der 2,2-Tonnen-Fuhre um, benötigt dennoch nur 8,6 Liter je 100 Kilometer im Durchschnitt. Die recht straffe Fahrwerksabstimmung unterstreicht die sportliche Ausrichtung des X6. Und die ebenso zügigen wie sanften und zielgenauen Stufenwechsel der Achtstufenautomatik verdeutlichen: Hier hat sich einer an die Umwelt angepasst, ohne mit dem Strom zu schwimmen.


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