„Batman“-Massaker: Amerika sucht nach Erklärungen

Mitten im Präsidentschaftswahlkampf und einen Monat nach einem der schlimmsten Massaker jüngerer Zeit beginnt eine breite Debatte um das Waffengesetz.

Washington – Ein junger Mann richtet bei einer Filmpremiere im US-Bundesstaat Colorado ein Blutbad an, etwas später kommt es zu einem blutigen Anschlag auf einen Sikh-Tempel in Wisconsin: Die jüngsten Amokläufe in den USA haben die Menschen weltweit aufgewühlt. Gerade seit der Kino-Schießerei in Aurora in Colorado am Freitag vor vier Wochen sind die Menschen in den USA bestürzt und wütend. Das Thema beeinflusst auch den Präsidentschaftswahlkampf. Dennoch ist fraglich, ob die Waffengesetze verschärft werden.

Auch im Internet können Hürden beim Waffenkauf umgangen werden

Seit 2003 gab es in den USA 15 Amokläufe, bei denen jeweils mindestens fünf Menschen zu Tode kamen. Insgesamt starben bei diesen 15 Bluttaten 142 Menschen, 200 weitere wurden verletzt. Kritiker meinen, es sei immer noch viel zu einfach, an Schusswaffen zu kommen, selbst für psychisch instabile Menschen, denen eigentlich der Zugang verwehrt sein sollte. Auch im Internet können Hürden beim Waffenkauf umgangen werden.

Mitten im Präsidentschaftswahlkampf und einen Monat nach einem der schlimmsten Massaker jüngerer Zeit beginnt eine breite Debatte um das Thema. Eine gewichtige Stimme ist das Brady-Center zur Verhinderung von Waffengewalt. Die Organisation weist schon jetzt darauf hin, dass das erste große Fernsehduell im Präsidentschaftswahlkampf am 3. Oktober eine räumliche Nähe zu dem Thema haben wird. Denn weniger als zehn Meilen entfernt vom Veranstaltungsort fanden gleich zwei Amokläufe statt: die „Batman“-Kinomorde in Aurora und das Columbine-High-School-Massaker im Jahr 1999. Deshalb verlangt die Anti-Waffen-Lobbygruppe vom Moderator der TV-Debatte, die beiden Kandidaten mit dem Thema zu konfrontieren.

Die landesweite Diskussion um Waffenbesitz und Gewalt wird auch die Überlebenden in Erinnerung bringen. Es gibt Stiftungen, die sich um ihr Wohlergehen kümmern. Doch auch diese können nicht die quälende Frage nach dem Warum beantworten. James Holmes, der Kino-Attentäter von Aurora, war vor der Tat in psychiatrischer Behandlung. Nach dem Blutbad mit zwölf Toten bei der Premiere des neuen „Batman“-Films „The Dark Knight Rises“ sagte er den Polizisten, er habe sich für den „Joker“ gehalten, den Bösewicht eines früheren Films der Reihe.

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Der Attentäter kaufte sich legal Schusswaffen

Holmes kaufte sich legal vier Schusswaffen in einem Laden und Munition im Internet, teilte die Polizei mit - und konnte dies trotz seiner möglichen psychischen Erkrankung tun. Auch Wade Michael Page, der Attentäter im Sikh-Tempel von Oak Creek in Wisconsin, war vor seiner Bluttat bereits auffällig geworden. Lange bevor er sechs Menschen erschoss und sich dann selbst tötete, stand er einer rassistischen Gruppierung namens „Volksfront“ nahe, wie Szenekenner berichteten.

Der Psychologe Stephen Diamond sieht bei allen Unterschieden zwischen den Amokläufern eine Gemeinsamkeit: Wut. „Für mich ist es das Wichtigste, an die Wurzel des Problems zu kommen, und das bedeutet, an die Wut heranzukommen“, sagt er. Deshalb sieht er in einer Verschärfung der Waffengesetze auch nicht die alleinige Lösung des Problems: „Das ändert doch nichts an der Wut selbst.“ (dpa)


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