Für die letzten Tage ein eigenes Haus

Im 20. Jahr seines Bestehens hat der Verein Tiroler Hospiz-Gemeinschaft viel vor. So soll u. a. ein Haus für die Betreuung schwer kranker bzw. sterbender Menschen gebaut werden.

Von Irene Rapp

Innsbruck –Ja, es hat sich in den vergangenen 20 Jahren einiges getan. Vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung, was die Themen Sterben und Tod betrifft, wie Elisabeth Zanon, Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft immer wieder feststellen kann. „Es ist uns gelungen, diese sensiblen Themen zu enttabuisieren. Und wir konnten durch unsere Arbeit unter anderem aufzeigen, dass man auch die letzte Lebensphase – vor der so viele Angst haben – qualitätsvoll gestalten kann.“

Derzeit kümmert sich der Verein Tiroler Hospiz-Gemeinschaft auf mehreren Ebenen um die Betreuung schwer kranker oder sterbender Menschen im Land. Zum einen gibt es mobile Hospiz- und Palliativteams in Innsbruck und Umgebung. Zudem sind 13 regionale Hospizteams mit 200 ehrenamtlichen Mitarbeitern in ganz Tirol im Einsatz.

Zum anderen führt die Hospiz-Gemeinschaft im Sanatorium der Barmherzigen Schwestern an der Innsbrucker Kettenbrücke­ eine als öffentliches Krankenhaus geltende Hospiz- und Palliativstation mit 14 Betten.

Fakt ist aber auch, dass es durchaus mehr Betten sein könnten. „Denn die Möglichkeiten zur Tagesbetreuung fehlen. Dass etwa jemand nur einen oder auch zwei Tage aufgenommen wird, um die betroffenen Familien und Angehörigen zu entlasten“, sagt Zanon.

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Der bereits bestehende­ Plan, ein eigenes Haus für die Betreuung schwer kranker und sterbender Menschen zu bauen­, wurde daher nun erneut ausgegraben – und die Chancen zur Realisierung stehen nicht schlecht. „Die Barmherzigen Schwestern würden uns einen Grund auf ihrem Areal baurechtlich zur Verfügung stellen“, sagt Zanon. Dort könnte dann ein Hospiz entstehen, mit möglicherweise einigen Betten mehr, mit der Vereinszentrale sowie Schulungsräumen. Die vorläufigen Kosten: rund acht Millionen Euro.

Einige Zusagen für finanzielle Beteiligung gibt es bereits: „Die Stadt Innsbruck bzw. Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer sowie das Land Tirol haben grundsätzlich signalisiert, sich an den Kosten zu beteiligen. Die Caritas würde 500.000 Euro beisteuern. Und der Verein sieht sich imstande, eine Million Euro an Spenden hereinzubringen. Denn die Tiroler Bevölkerung ist sehr großzügig“, sagt Zanon. Die bisherigen Gespräche mit Stadt und Land seien jedenfalls positiv verlaufen. Die Zuversicht ist daher groß: „Wenn alles passt, könnten­ wir 2014 mit dem Bau beginnen.“

Das neue Hospiz-Gebäude in Innsbruck wäre laut Zanon österreichweit einzigartig: Normalerweise dürfen als Hospiz geführte Einrichtungen nur Hospiz-Arbeit leisten – d. h. man bemüht sich, die letzte Lebensphase von Menschen so qualitäts­voll und so liebevoll wie möglich zu gestalten. Das Innsbrucker Hospiz wird jedoch zudem als öffentliche Krankenanstalt geführt, in der auch palliativmedizinische Arbeit geleistet wird. Das heißt, dass im Bedarfsfall die Patienten schmerzlindernd behandelt werden.


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