Fischteich musste geräumt werden

Über Nacht mussten 600 Fische aus dem neuen Bloderteich beim Haldensee getötet werden. Die pH-Werte im Zulauf waren gar nicht mehr messbar. Betreiber Manfred Ried fühlt sich im Stich gelassen.

Von Simone Tschol

Grän, Haldensee –Zu Pfingsten wurde der neue Bloderteich, ein zirka 2000 m² großer Fischteich mitsamt dem Restaurant Tauscher‘s Alm knapp oberhalb des Haldensees, eröffnet. „Es war ein Wahnsinn. Wir hatten schon am Montag nichts mehr in der Kühlkammer, außer einem Paar Landjäger“, blickt Teichbetreiber Manfred Ried zurück – mit Wehmut, denn die Idylle währte nur sechs Wochen.

„Anfang Juli hatten wir vier tote Fische im Teich. Da hab ich mir noch nichts dabei gedacht, denn manchmal picken auch Vögel die Tiere an, die dann verenden.“ Die anfängliche Sorglosigkeit fand jedoch ein abruptes Ende. Tags darauf waren es bereits zehn tote Forellen. Ried war ratlos. Er konnte keine äußerlichen Veränderungen an den Tieren bemerken. Also brachte er ein totes Exemplar zu Thomas Angerer – Züchter in Leutasch, Vorstandsmitglied im Tiroler Fischereiverband und Fachtierarzt für Fische. „Die Obduktion ergab als Todesursache eine Magen- und Darmentzündung – ergo musste etwas Chemisches für den Tod der Tiere verantwortlich sein“, erinnert sich Ried.

Zurück im Tannheimer Tal wurde der Bloderteich genau unter die Lupe genommen. „Der pH-Wert war zwar ein wenig erhöht, aber nicht dramatisch“, sagt Ried, dem noch wenige Wochen zuvor von Experten eine optimale Wasserqualität attestiert wurde. „Wir haben dann auch das Wasser im Zulauf kontrolliert. Und dort war der pH-Wert so hoch, dass er gar nicht mehr messbar war.“ Umgehend wurden die Geschehnisse der Umweltpolizei gemeldet. Diese zog Wasserproben und nahm auch Fische mit. Ried: „Über Nacht wurde mir dann mitgeteilt, dass der Verzehr der Tiere unbedenklich sei.“ Sofort wurden alle 600 Tiere aus dem Teich geholt, ausgenommen, vakuumverpackt und eingefroren. Das Wasser wurde mit Hilfe der Feuerwehr abgepumpt.

Seither tappt Ried im Ungewissen. Er fühlt sich von den Behörden regelrecht im Stich gelassen: „Mir kommt das Ganze mittlerweile schon komisch vor. Die Untersuchungsergebnisse der Fische hat man über Nacht, die des Wassers nach Wochen noch nicht.“

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Bezirkshauptmann Konrad Geisler bestätigt gegenüber der TT: „Wir haben die Wasserproben an die Chemisch-technische Umweltschutzanstalt (CTUA) des Landes Tirol nach Innsbruck geschickt. Die Laborergebnisse stehen noch aus.“ Einzig der Prüfbericht der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) liege vor. Diese hätten laut Geisler jedoch nur die Tiere untersucht. Im Bericht sei von „multifaktoriellem Geschehen“ die Rede. Vermutet wird, dass ein Temperaturanstieg zur Sauerstoffarmut geführt habe.

Was Manfred Ried stutzig macht, ist die Tatsache, dass mehrere Wasserproben entlang des Strindenbachs genommen wurden. Auch im Einzugsgebiet des Strindenbachs. Geisler: „Wir haben uns sämtliche Kläranlagen in der Gegend genau angeschaut. Wir wissen nicht, woher die erhöhten Werte kommen.“

Ried, dessen Schwiegervater seit Jahren den Haldensee bewirtschaftet, glaubt, dass die Problematik möglicherweise schon viele Jahre zuvor bestanden habe. „Der Strindenbach läuft direkt in den Haldensee. Der hat das mit seinen 72 Hektar geschluckt. Unser kleiner Teich mit seinen zwei Hektar aber nicht.“

Trotz Geschäftseinbußen will Ried weder Schuldzuweisungen machen noch Schadenersatz fordern. Das sei ihm der Aufwand gar nicht wert. „Ich will nur wissen, wo der Dreck herkommt und wann ich wieder Fische in meinem Teich einsetzen kann. Am Anfang gab es einen Aufstand, als hätte jemand einen Tanklaster im Teich versenkt und auf einmal wird alles totgeschwiegen. Stattdessen werden Gäste und Angestellte vermehrt von der Polizei kontrolliert und laufend Hygienekontrollen in unserem Lokal durchgeführt. Das ist doch eine verkehrte Welt“, schüttelt Ried den Kopf.

Konrad Geisler versichert im Gespräch mit der TT: „Ich werde die zuständigen Sachbearbeiter anweisen, darauf zu schauen, dass da was weitergeht.“ Mit einer raschen Lösung des Problems rechnet Geisler aber nicht.


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