Spuren immer noch unübersehbar

Die Murenkatastrophe in Virgen hat vor allem der Landwirtschaft enormen und nachhaltigen Schaden zugefügt. Bei einem Lokalaugenschein versprach LHStv. Anton Steixner den betroffenen Bauern Unterstützung.

Von Claudia Funder

Virgen –Genau zwei Wochen ist es her, dass das Katastrophenereignis am Firschnitzbach das Dorfleben von einem Moment auf den anderen nachhaltig veränderte. Es kamen zwar wie durch ein Wunder keine Menschen zu Schaden, aber die Mure hinterließ eine breite Schneise der Verwüstung.

Vor Ort sind die enormen Folgen der meterhohen Schlammwalzen, die Straßen, Gebäude und große Teile der Virger Feldfluren unter sich begruben, nicht nur sicht-, sondern auch spürbar. Der Schrecken sitzt bei manchen Virgern tief, der späte Nachmittag des 4. Augusts hat auch in deren Köpfen tiefe Spuren hinterlassen. „Wir haben eine individualpsychologische Betreuung für jene Leute organisiert, die in diese Richtung Unterstützung brauchen“, erklärt der Bürgermeister von Virgen, Dietmar Ruggenthaler. „Die Sorgen und Ängste, dass sich das Ereignis wiederholen könnte, sind bei manchen Betroffenen groß. Das Angebot kann natürlich in anonymer Form angenommen werden.“

Mit den sichtbaren Folgen der Jahrhundertkatastrophe haben viele zu kämpfen. Und das vermutlich noch lange. „Neben den mehr als 30 Hauseigentümern sind über 20 Landwirte direkt betroffen“, erzählt der Gemeindechef. Im besiedelten Gebiet seien die Aufräumarbeiten zügig vorangeschritten. Die betroffenen Bewohner seien bereits dabei, das Hausumfeld wieder herzurichten, Gartenzäune auszubessern oder zu erneuern. Die Gemeinde kümmert sich indessen um die Erneuerung von Brücken, Steigen, die Wasserversorgung und Straßenbeleuchtung. Der von der Außenwelt abgeschnittene Ortsteil Geige ist nach Wiedererrichtung der Brücke seit einer Woche wieder erreichbar.

Deutlich längere Auswirkungen wird das Ereignis jedoch auf die Landwirtschaft haben. Hier ist das Schadens­ausmaß besonders groß. Ruggenthaler: „Knapp 20 Hektar, großteils zweischnittige Wiesen, sind zerstört.“

Im nichtverbauten Gebiet hat der über die Ufer getretene Firschnitzbach Schlammmassen und Felsbrocken hinterlassen. Die Aufräumarbeiten gestalten sich hier deutlich schwieriger als im Ortszentrum. Die Vermurungen auf den Feldern müssen aufgrund des großen Flächenausmaßes vorerst belassen werden. Der Grund: Zu viel Feuchtigkeit sei noch im Boden, betont der Bürgermeister: „Er muss erst austrocknen, bevor hier aufgeräumt werden kann. Erst kürzlich ist ein Bagger im Schlamm stecken geblieben, der wieder herausgezogen werden musste. Es wird vom Wetter abhängen, wann hier mit der Beseitigung der Schäden begonnen werden kann.“

Die Mure, die sich bis zur Isel Hunderte Meter durch das Gelände wälzte, riss alles mit, was im Weg stand. Ruggenthaler: „Der Bauer mit der größten Fläche hat seinen Geräteunterstand mit allen Maschinen verloren.“

Die Bauern müssen aber nicht nur mit dem Verlust der diesjährigen Ernte leben. Ruggenthaler: „Die Landwirte werden auch im nächsten Jahr mit einer eingeschränkten Bewirtschaftung und einem Minderertrag rechnen müssen.“ Die Vegetation brauche ihre Zeit, bis sie sich erhole.

„Die Landwirtschaft ist klein­strukturiert, deshalb wird es bei den Aufräumarbeiten in Zusammenarbeit mit der Agrar Lienz koordinierte Aktionen geben“, so der Gemeindechef. Parallel dazu wird von der Wildbach- und Lawinenverbauung an der Verbesserung der Maßnahmen zur Sicherung gearbeitet.

Hilfe kann man auch vom Land erwarten. Am Donnerstag in aller Früh machte sich LHStv. Anton Steixner bei einem Lokalaugenschein ein Bild von den Schäden. „Es ist mir ein Anliegen, den betroffenen Bauern Mut zuzusprechen. Ich setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass das Land Tirol für durch die Murenkatastrophe entstandene Schäden aufkommt“, versprach Steixner den anwesenden Landwirten. Anträge auf Entschädigung müssen ausgefüllt werden, welche die Gemeinde entgegennimmt und gesammelt an die Agrar Lienz weiterleitet. Eine Elementarschadenskommission wird die Höhe der Entschädigungszahlungen bestimmen. Die Schäden in Virgen seien „beträchtlich“, beurteilt Steixner die Lage. „Wir unterstützen, wo wir nur können.“ BM Ruggenthaler hob im Gespräch mit der TT noch einmal die Freiwilligenarbeit und die vorbildliche Dorfgemeinschaft lobend hervor. „Der Einsatz der Organisationen und Privaten war unglaublich. Auf die Leute im Dorf kann man sich absolut verlassen.“


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