Kein Schlupfloch für Assange: Polizei umstellt Botschaft

Sogar mit Wärmebildkameras liegen die Bobbys rund um die Uhr auf der Lauer, falls der Australier sich in einem Möbelstück zum Flughafen absetzen will.

London – Die Botschaft Ecuadors in London dürfte derzeit einer der bestbewachten Orte in London sein: Mehr als 40 Polizisten umzingeln seit Donnerstag das Gebäude im noblen Stadtteil Knightsbridge. Sechs weitere Bobbys bewachen die öffentlichen Bereiche der Botschaft - die Aufzüge und die Zugänge zum Dach, berichtet die britische Zeitung Daily Mail. Und das alles nur für einen Mann: Wikileaks-Gründer Julian Assange, der sich seit acht Wochen in dem Gebäude versteckt und am Donnerstagnachmittag Asyl in Ecuador gewährt bekam.

Auf keinen Fall will die britische Polizei den Australier entwischen lassen: Sogar mit Wärmebildkameras liegen die Beamten laut Daily Mail auf der Lauer. Es könnte ja sein, dass der 41-Jährige in diplomatischem Gepäck oder einem Möbelstück aus dem Gebäude zum Flughafen geschmuggelt wird und nach Ecuador ausfliegt. Denn sobald Assange die Botschaft - und damit ecuadorianisches Hoheitsgebiet - verlässt, kann die Polizei ihn festnehmen. Und freies Geleit bis zum Flugzeug gewähren die britischen Behörden ihm nicht.

50.000 Pfund (rund 64.000 Euro) kostet der Rund-um-die-Uhr-Einsatz die Stadt London am Tag. Wie lange das Tauziehen um den streitbaren Australier ziehen wird, ist noch nicht abzusehen.

Statement von Assange für Sonntag angekündigt

Dass die Polizei in die Botschaft marschieren und Assange einfach herausholen könnte, ist erst einmal vom Tisch. Nach einem Gesetz von 1987 besteht in Großbritannien die Möglichkeit, eine Botschaft wieder in britischen Besitz zu überführen und so den Weg für die Polizei frei machen. Am Abend ruderte Außenminister William Hague aber wieder zurück: „Es gibt keine Androhung, die Botschaft zu stürmen.“ London hoffe auf eine „Verhandlungslösung“, mit der das Land seiner Auslieferungspflicht nachkommen könne.

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Bis zum Obersten Gerichtshof war Assange gezogen, um nicht nach Schweden ausgeliefert zu werden, wo ihn die Staatsanwaltschaft zu zwei Vergewaltigungsvorwürfen befragen will. Bisher lehnten es die schwedischen Behörden strikt ab, nach London zu reisen und den 41-Jährigen dort zu verhören. Julian Assange sitzt trotz des gewährten Asyls in London in der Falle. Am Sonntag will er sich aber zeigen. Über Twitter hat Wikileaks eine Erklärung seines Gründers für 15 Uhr (MESZ) angekündigt. (tt.com, dpa)


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