Das bittere Ende

Schock und Fassungslosigkeit beim Frequency. Placebo-Sänger Brian Molko stürmte nach nur einem Song von der Bühne. Dabei war es bis dahin der perfekte Festivaltag.

23.20 Uhr an der Frequency Hauptbühne. Der Auftritt von Placebo steht bevor. Für viele DER Grund, überhaupt zu diesem Festival zu fahren. Unsere TT-Festivalcrew wartet gebannt wie Tausende andere auch. Robert und ich fangen bereits an. Placebo-Songs a capella zum Besten zu geben.

Dann geht das Licht aus. Riesenjubel. Die Band betritt die Bühne. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt. Brian Molko spielt den ersten Akkord an der Gitarre, was für ein Moment! Gänsehaut. Aber schon nach der ersten Textzeile ist klar: Irgendwas ist komisch. Brian wirkt selbst für seine Verhältnisse extrem blass. Er trifft kaum einen Ton. Egal, trotzdem geil. Der erste Song endet, Riesenjubel.

Doch dann der Eklat: Der Sänger entledigt sich seiner Gitarre und stürmt von der Bühne. Die anderen Bandmitglieder schauen sich ratlos an. Der Drummer spielt ein Verlegenheitssolo. Minuten vergehen. Das Publikum macht noch einmal Stimmung, doch schon bald schlägt Hoffnung in Verzweiflung um. Komm schon Brian, was ist los mit dir? Drogen? Oder einfach nur keine Lust?

Frust und Enttäuschung

Dann tritt der Bassist ans Mikro. Der Moment der Wahrheit. Brian ist krank, kann nicht mehr weitermachen. Das darf nicht wahr sein. Wut, Fassungslosigkeit. Oder nach einem Song von Placebo: „The Bitter End“.

Frust macht sich breit, traurige Augen wohin man auch blickt. Die Menge zieht ab. Niemand in unserer Gruppe will so richtig an das offizielle Statement glauben, das die Band wenig später abgibt. „Brian Molko hat eine Viruserkrankung. Der Adrenalinkick als er die Bühne betreten hat, hat ihn desorientiert“, heißt es.

Verdrängung muss jetzt die Taktik sein, beschließen wir. „Placebo, wer ist Placebo? Nie gehört“. Doch das funktioniert auch nur bedingt. Immer wieder keimt das Thema auf, immer wieder Kopfschütteln über so viel Enttäuschung. Dann halt Fluchen. Oder Galgenhumor. Leider alles nur kurzfristige Therapiemethoden.

Zurück zum Zeltplatz. Der Alkohol fließt in Strömen. Die Verarbeitungsphase beginnt und sie wird ziemlich lustig. Noch bis drei Uhr nachts sitzen wir vor den Zelten und freuen uns einfach eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Das macht schließlich ein Festival aus. Placebo kann uns mal. (siha)


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