Monica, erbauend und ergreifend

Stams – Einen ganzen Abend einem einzigen Lied zu widmen, das klingt wahrscheinlich langweilig, hätte aber bewegender nicht sein können. Im ...

Stams –Einen ganzen Abend einem einzigen Lied zu widmen, das klingt wahrscheinlich langweilig, hätte aber bewegender nicht sein können. Im Rahmen der Innsbrucker Festwochen gastierte der Coro Maghini Turin unter der Leitung von Claudia Chiavazza in der Stiftskirche Stams und widmete­ sich unter dem Motto „L‘aria della Monica“ einer nur allzu bekannten Melodie. Der Text nimmt Bezug auf einen Brief der 14-jährigen Lavinia della­ Rovere aus dem Jahre 1572 mit der Bitte an ihre Mutter, sie nicht ins Kloster zu schicken.

Als „Aria della Monica“ vertont, tauchte das Lied in verschiedenen Teilen Europas auf und wurde im deutschen Sprachraum mit dem Text von „Nun will der Lenz uns grüßen“ bekannt. Die Melodie aus unbekannter Feder war Quelle der Inspiration für Komponisten verschiedenster Epochen.

Eine ganze Messe um diesen Ohrwurm schuf Girolamo Frescobaldi mit der für acht Stimmen gesetzten auf zwei Chöre aufgeteilten „Missa sopra l‘aria della Monica“. Auch zu Instrumentalmusik ließ er sich von „Monica“ inspirieren. Biagio Marini­ war von diesem musikalischen Kleinod ebenso angetan wie Giovanni Andrea­ Cima.

„Alles Monica“ hieß es also, und die 26 farbenprächtigen Stimmen der Chorgemeinschaft aus Turin, das behände Agieren der Organistin Marian­giola Martello sowie die mit konzentrierter Gestaltungsenergie ausgestatte Continuo-Gruppe sorgten für Seelenschauer und Ergriffenheit.

Die Lobgesänge, changierend zwischen anrührender Schlichtheit und ungemein packender Empathie, dienten zur Erbauung und Versenkung gleichermaßen. Die Balance der Stimmen und Instrumente war von einer­ bestechenden Transparenz. Die sinnlichen und dramatischen Steigerungen summierten sich zu ergreifend klanglichem Leuchten. (hau)


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