WWF will Alpenjuwel statt Kraftwerk

Umweltgruppen starten angekündigte „Hainburg-Aktivitäten“ mit Unterschriften gegen den Ausbau des Kaunertalkraftwerks. Tiwag-Projektleiter Stroppa plädiert für korrekten Umgang mit Zahlen und Fakten.

Von Helmut Wenzel

Pfunds, Kaunertal –„Jede Unterschrift gegen diesen Wahnsinnsausbau zählt“, erklärt WWF-Sprecher Thomas Diem, der als „Kampagnenleiter Kaunertal“ die Aktivitäten diverser Umweltorganisationen gegen das Kraftwerksprojekt im Obergricht koordiniert. Der WWF und Greenpeace hatten am 27. März in Wien ein „Hainburg des 21. Jahrhunderts“ und damit Widerstand angekündigt. Nach der „Info- und Bildungswanderung“ der Umweltschützer am 7. Juli im Platzertal wirbt der WWF derzeit um Unterschriften. Ziel der Übung ist es, eine „Petition zur Rettung der Alpenjuwele“ zu unterstützen.

„Im Platzertal drohen der Bau einer 120 Meter hohen und 450 Meter breiten Staumauer für 42 Milliarden Liter Wasser, 50 Kilometer lange Druckstollen mit dem Durchmesser des Brennerbasistunnels, und die ökologische Zerstörung von vier unberührten Hochgebirgsbächen“, heißt es im Begleittext zur Petition auf www.fluessevollerleben.at. Die größten Umweltorganisationen Österreichs, Greenpeace, WWF, Global 2000 und Ökobüro, würden „Nein zum Kaunertal“ sagen, weil der Ausbau des Kraftwerks „einem ökologischen Desaster gleichkäme“.

Die Tiwag will 1,1 Mrd. Euro in den Ausbau des Kaunertal-Kraftwerks investieren. Erst vor wenigen Wochen ist das Projekt zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht worden. Die Umweltabteilung des Landes muss 13.000 Seiten und 650 Pläne prüfen. Das Behördenverfahren soll fünf Jahre dauern, Beschäftigung dürfte es auch für diverse Experten und Gutachter reichlich geben.

„In dem Verfahren werden klarerweise diverse Anschuldigungen überprüft. Am Ende des Marathons werden die zuständigen Behörden entscheiden, ob das Kraftwerk umweltverträglich ist oder nicht“, betonte Tiwag-Projektleiter Wolfgang Stroppa am Freitag. Er hatte sich wiederholt Diskussionen mit Kraftwerksgegnern gestellt, etwa mit der Gruppe „Lebenswertes Kaunertal“. Grundsätzlich habe er kein Problem mit Leuten, die „kraftwerkskritische“ Positionen vertreten. Von den Betreibern der jüngsten Kampagne würde er sich aber etwas mehr Sachlichkeit und Fairness erwarten: „Da wird wiederholt mit falschen Fakten und Zahlen operiert. Der Druckstollen ist zum Beispiel nur 25 Kilometer lang und nicht 50 Kilometer, wie das behauptet wird.“

Nicht geplant ist laut Stroppa auch die Staumauer, die auf der Unterschriften-Homepage zu sehen ist. Vielmehr werde ein begrünter Steinschüttdamm gebaut, der nicht einmal die Bauern von der Platzeralm stört.

Den Vorwurf, das Kraftwerk beschere der Region ein ökologisches Desaster, wertet Stroppa als „schlichtweg unseriös“: „Kein einziges Schutzgebiet ist betroffen. Dass die Kraftwerksanlagen möglichst umweltverträglich gebaut werden, ist für uns selbstverständlich.“


Kommentieren