Netzwerk der Frauen gegen Seilschaften der Männer

Rund drei Dutzend Bürgermeisterinnen aus ganz Österreich genießen drei Tage Tirol. Daneben werden Erfahrungen und Ideen ausgetauscht.

Von Alexander Paschinger

Lermoos – Auch wenn das Treffen keinen parteipolitischen Hintergrund hat – wenn sich rund ein Viertel der österreichischen Bürgermeisterinnen so wie derzeit in Lermoos zusammenfindet, dann dürfen politische Ansagen nicht fehlen. Etwa die Forderung nach mehr Weiblichkeit an der Spitze der Gemeinden. Was man immer wieder von den rund drei Dutzend Bürgermeisterinnen hört, sind Schlagwörter wie Chancengleichheit oder welch dicke Haut man haben müsse, wolle man sich politisch durchsetzen. Mehr Frauenpolitik würde es geben, kämen mehr Frauen in die Politik.

Gastgeberin Maria Zwölfer, seit 2004 Bürgermeisterin in Lermoos, brachte es in ihren Grußworten vor den Kolleginnen und mächtigen Männern wie LH Günther Platter, Österreichs Gemeindepräsident Helmut Mödlhammer und dessen Tiroler Pendant Ernst Schöpf auf den Punkt: „Wir können hier einige Maschen im Netzwerk der Frauen den Seilschaften der Männer entgegensetzen.“ Und sie fordert die politische „Würde für die Bürde“ ein, die man(n) den Frauen in Form von gesellschaftlichen Pflichten auf die Schultern lädt. Wenn hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau stehe, dann gibt Zwölfer zu bedenken, „dass zu viel Schatten uns Frauen nicht guttut“.

Für Tirol skizzierte LH Günther Platter ein anderes Verteilungsbild, als es die zehn Bürgermeisterinnen vordergründig darstellen: „Wenn man sich anschaut, dass Städte wie Innsbruck, Lienz, Wörgl und Hall von Frauen regiert werden, dann werden überschlagsmäßig 40 Prozent der Tiroler von Frauen regiert.“

Tatsächlich befinde sich Tirol mit Salzburg im Mittelfeld, wenn man den prozentuellen Anteil der Frauen im Bürgermeisteramt betrachtet, bestätigt Helmut Mödlhammer. Niederösterreich sei mit einem siebenprozentigen Anteil im Spitzenfeld. Doch auch dort „braucht man eine dicke Haut“, wie die Niederösterreicherin Christa Eichinger aus Prottes erklärt.

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„Man muss als Frau laut sein“, weiß die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer. Dass sie nach ihrer Angelobung von LH Platter damals beim landesüblichen Empfang allein im Regen stehen gelassen wurde, kommentiert sie heute so: „Mit Blitz und Donner bin ich in meine Amtszeit gegangen – bei einer Hochzeit wird das als gutes Omen bezeichnet.“

Platter seinerseits sieht die Frauenpolitik innerhalb seiner Tiroler VP „sehr engagiert“. Die ÖVP stelle zwei Landesrätinnen, in Aufsichtsratspositionen würden großteils Frauen bestellt.

Unter den Frau Bürgermeisterinnen wird das wiederum teils anders gesehen. Zwölfer etwa denkt gerne an die „sehr rege Geschichte“ der Tiroler VP-Frauen unter Elisabeth Zanon zurück. „Jetzt ist es – galant gesagt – ruhiger geworden.“ Sie wehrt sich gegen den Begriff Quotenfrauen – „das ist abwertend. Vielmehr braucht es Chancengleichheit. Nur wenn es nicht anders geht, dann müssen Quoten her.“ Es sei aber „unwürdig, wenn Frauen um Positionen betteln müssen und Männer sie großzügig verteilen“.

Und was Zwölfer noch fordert, sind gleiche Maßstäbe: „Eine Eigenschaft wie etwa Durchsetzungskraft wird beim Mann bewundert. Die Frau gilt aber als Beißzange.“


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