„Das Glück, das wir hatten“: Tiroler für Tiroler in Wien

Rund 30.000 Tiroler machen Wien zur zweitgrößten Stadt des Landes. Durch den Club Tirol bleiben viele Landsleute untereinander und mit der Heimat in Verbindung.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Tiroler drücken Wien ihren Stempel auf, in vielen Bereichen des Lebens. Ein Blick auf die Mitgliederliste des Clubs Tirol zeigt, was sie in der Bundeshauptstadt leisten: Namen von bekannten Architekten und Designern finden sich neben Bankern, Künstlern, Werbern, Politikern und Rechtsanwälten, Unternehmern, Medizinern oder Vertretern aus Medien und Tourismus. „Tiroler übernehmen Verantwortung. Tiroler zeigen, was sie können“, sagt Julian Hadschieff, Präsident des Clubs Tirol für in Wien und Umgebung lebende Tiroler. Laut Statistik sind es rund 30.000. Mit Hilfe der vor drei Jahren ins Leben gerufenen Plattform wolle man „das Glück, das wir hatten“, an Land und Leute zurückgeben.

Der Club ist ein Netzwerk, mit dessen Hilfe Menschen aus Tirol mitten in Wien andere Tiroler treffen können. Wer neu ist in der Bundeshauptstadt, der soll sich heimisch fühlen können, Kontakte nützen. Umgekehrt gehe es aber auch darum, Interessierte für ein Investment in Tirol zu finden. „Wir sind ein Business-Netzwerk von Menschen, die im Wirtschaftsleben stehen. Wir haben es geschafft, wie es so schön heißt“, sagt Hadschieff, Geschäftsführender Gesellschafter bei Humanocare sowie CEO bei PremiQaMed und selbst seit 21 Jahren Tiroler in Wien. Auf ihn trifft diese Aussage wohl im doppelten Sinn zu: Der Manager, ehemaliger Eisschnellläufer wie sein Bruder Michael und Paralympicsteilnehmer, ist stark sehbehindert.

Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder beim Stammtisch, zusätzlich wird zu hochkarätigen Veranstaltungen geladen, wie dem Medien-Talk mit Armin Wolf, dem Polit-Talk mit Alexander Van der Bellen oder dem Finanz-Talk mit dem CEO der Liechtensteiner Privatbank LGT Österreich, Meinhard Platzer. Der Sommerstammtisch fand auf Einladung von Club Tirol Vorstandsmitglied Josef Ebenbichler im Schönbrunnerbad statt, der Vetmeduni Vienna Vizerektor ist Betreiber von „Wiens schönstem Sommerbad“. Einmal im Jahr wird außerdem zum Landeshauptmannempfang geladen.

„Die meisten Tiroler tun sich leicht in Wien“, meint Hadschieff, gebürtiger Innsbrucker. „Ich glaube, dass die Wiener uns mögen. Wir haben ein uriges Image, das gefällt ihnen.“ Die kantige Art werde akzeptiert und im Gegensatz zum für gewöhnlich viel diplomatischeren Wiener könne man sich ,eine klare Red‘ “ auch leisten.

Hadschieff ist im Alter von 31 Jahren nach Wien gezogen, zuvor hat er in den USA, in Kanada, Liechtenstein und Deutschland gearbeitet, er studierte in Innsbruck und in Harvard. „Ich glaube, dass es heute noch viel wichtiger ist, hinauszugehen, das eigene Land zu verlassen. Wenn du als Tiroler erfolgreich sein willst, dann musst du auch einmal weg aus der Heimat, im Ausland studieren und arbeiten.“

Die Menschen heute müssten allerdings noch viel mobiler sein. „Wer vor hundert Jahren im Pitztal aufwuchs, ist vielleicht manchmal bis nach Imst gekommen und alle heilige Zeiten nach Innsbruck. Aber die Arbeitswelt hat sich gewandelt und sie wird sich noch weiter verändern. Unsere Kinder werden womöglich zwei oder sogar drei Ausbildungen machen müssen, lebenslanges Lernen in Zukunft noch notwendiger sein als heute.“ Hadschieff ist aber der Meinung, dass die Bereitschaft zu Mobilität und Flexibilität heute ohnehin viel größer sei als früher: „Wenn ich mir meinen Sohn anschaue, der Computerspiele mit Kindern aus Kanada spielt – das ist heute alles möglich.“


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