„Arzt bald kein Beruf mehr, sondern ein Job“

Innsbruck – „Die Dinge geraten so schnell in Vergessenheit“, sagt Raimund Margreiter. Diese Tatsache war es, die den pensionierten ehemalige...

Innsbruck –„Die Dinge geraten so schnell in Vergessenheit“, sagt Raimund Margreiter. Diese Tatsache war es, die den pensionierten ehemaligen Starchirurgen dazu antrieb, im Ruhestand ein Buch über Geschichte und Struktur, Pionierleistungen und Entwicklungen der Innsbrucker Chirurgischen Universitätsklinik zu schreiben.

Die Entwicklungen in der Medizin allgemein und in der Chirurgie besonders verfolgt Margreiter nach wie vor – und teilweise sehr kritisch. Als eine der größten Herausforderungen sieht er dabei den ständigen Konflikt zwischen medizinischen Erfordernissen und dem Arbeitszeitgesetz. Sein Befund: „Es wird den Arzt als Beruf bald nicht mehr geben, sondern nur noch als Job.“

Für Margreiter müssen Ärzte unbedingt vom „Bürokratismus“ entlastet werden. In der Ausbildung müssten computergesteuerte Simulationssysteme eingeführt werden. „Die gibt es überall auf der Welt, nur in Österreich nicht“, schüttelt Margreiter den Kopf. Letztlich werde man auch an einer Einengung der Kompetenzbereiche nicht vorbeikommen, „denn den umfassend ausgebildeten Chirurgen wird es nicht mehr geben“, prophezeit Margreiter.

In der Transplantationschirurgie gebe es zwar noch viel aufzubauen, vieles davon sei allerdings „wenig spektakulär“ und spiele sich im Labor ab, ist der Chirurg überzeugt und nennt die Verbesserung der Immuntoleranz (Verhinderung von Abstoßungsreaktionen) oder den Einsatz tierischer Organe als Herausforderungen. Margreiter, der mit seinen Kollegen u. a. mit der Doppelhandtransplantation des Briefbombenopfers Theo Kelz Schlagzeilen machte, geht es mit dem Buch allerdings nicht um Selbstdarstellung, sondern um eine möglichst objektive Beschreibung der Entwicklung der Chirurgie in Innsbruck, die er in ihrer derzeitigen Form „optimal aufgestellt“ sieht.

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Die frühesten Entwicklungen schildert in einem historischen Beitrag Heinz Huber. Margrei­ter konzentriert sich auf die Jahrzehnte, die er selbst überblicken kann. Der Faktenreichtum, den er sich teils mühsam im Quellenstudium erschlossen hat, ist verblüffend und macht das Buch zu einem sehr wertvollen Beitrag der Tiroler Medizingeschichte. (cm)


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