Alkohol an Jugendliche: 120 Strafen für Tirols Gastronome

Die Zahl der Strafen für Betriebe ist im österreichweiten Vergleich besonders hoch. In Wien wurde nur halb so oft gestraft wie in Tirol.

Von Marco Witting

Innsbruck –Eines nur! Ein kleines! Doch der Kellner blieb standhaft. Da konnte das junge Mädchen noch so ein jugendliches Lächeln hervorzaubern. Der Kellner blieb hart, das Bier im Zapfhahn. Das Mädchen war zu jung. Und der Kellner sich der Lage bewusst. Denn wer gegen die Jugendschutzbestimmung verstößt, läuft Gefahr, bestraft zu werden. Und die Chancen dafür stehen in Tirol im Österreich-Vergleich noch am besten. Denn wie eine parlamentarische Anfrage des SPÖ-Nationalrats Johann Maier zeigt, gibt es in Tirol und Salzburg die meisten Strafen für Gewerbebetriebe. In Wien dagegen wurden nur halb so viele Betriebe zur Kasse gebeten. Was die Frage aufwirft: Sind Tirols Betriebe besonders lax beim Jugendschutz oder wird bei uns nur so streng kontrolliert?

145 Anzeigen gab es 2011 wegen Verletzung von Jugendschutzbestimmungen in gastgewerblichen Betrieben in Tirol. Mit 211 gab es damit österreichweit nur in Salzburg mehr. Insgesamt führte das zu 121 rechtskräftigen Strafen, mit einer durchschnittlichen Höhe von 350 Euro. In Wien gab es zum Vergleich insgesamt nur 52 Strafen. Allerdings: Wegen Verstößen gegen die Jugendschutzbestimmungen wurden keinem Tiroler Gastronom die Gewerbeberechtigung entzogen.

Mangelhaft sind die Aufstellungen, was die Kontrollen betrifft. Das Wirtschaftsministerium berichtet von 1184 Kontrollen sowie nicht zahlmäßig erfassten Streifendiensten in den Bezirken.

Peter Trost, Spartengeschäftsführer in der Wirtschaftskammer, sieht für diese Zahlen zwei Gründe: „Es wird in Tirol strenger kontrolliert. Und wir haben bei uns auch ein besonders strenges Jugendschutzgesetz.“ Trost glaubt nicht, dass die heimischen Betriebe beim Ausschank „laxer sind“. Im Gegenteil. Er sieht durchaus, dass sich hier das Bewusstsein in den vergangenen Jahren stark verbessert hat. „Das ist für die Unternehmer auch nicht immer so leicht zu kontrollieren. Das soll keine Entschuldigung sein, ist aber ein Faktum. Wir weisen als Wirtschaftskammer regelmäßig darauf hin, dass die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten sind.“ Oft genug sei es aber auch unklar, woher die Jugendlichen das Hochprozentige haben. „Wenn ein Älterer für einen Jüngeren ein Bier holt, ist da für den Wirt die Situation nicht so einfach.“

Andreas Oberlechner vom Konsumentenschutz der AK fordert, dass die Unternehmen dafür Sorge zu tragen haben, dass es gute Kontrollmechanismen gibt und nicht die Angestellen an der Kasse zum Handkuss kommen. „Im Stress an der Supermarktkasse ist es für die Kassiererinnen nicht immer einfach, alles zu kontrollieren.“ Bei der AK selbst gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen es Beschwerden über missbräuchlichen Alkoholausschank gibt. Wohl auch, weil dies ein Bereich ist, der allzu gerne geheim gehalten wird.

Die Gastronomen und Händler müssten bei diesem Thema aber sehr genau sein. Denn: „Es geht hier auch um Haftungsfragen, etwa wenn jemand im Rausch stürzt. Das kann auch zivilrechtliche Folgen haben.“ Der unerlaubte Ausschank an Minderjährige sei in keinem Fall ein Kavaliersdelikt. Dies gelte vor allem auch für diverse „Eventveranstalter“.

Laut Tiroler Jugendschutzgesetz darf an Jugendliche unter 16 Jahren kein Alkohol ausgeschenkt werden. Unter 18 sind „gebrannte“ Alkoholika verboten. Nach der Gewerbeordnung müssen Betriebe, die Hochprozentiges ausschenken, auf Verlangen auch kalte nichtalkoholische Getränke auszuschenken – und diese nicht teurer als das billigste alkoholische Getränk. Auch hier gab es 2011 in Tirol Verstöße. Insgesamt zehn Anzeigen listete das Wirtschaftsministerium auf.

Interessantes fördert die Jugendstudie des Landes zu Tage: Demnach kennen 82 Prozent der – nicht repräsentativen – Onlinebefragung das Jugendschutzgesetz. 80 Prozent sind mit der Altersgrenze für Alkohol zufrieden. Nur 23 Prozent waren demnach mit den Ausgehzeiten nicht zufrieden.


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