Interne Polizeiermittlungen nach Gewalt in südafrikanischer Mine

34 Menschen waren am Donnerstag bei Auseinandersetzungen zwischen streikenden Bergarbeitern und der Polizei getötet worden.

Marikana – Nach den tödlichen Ausschreitungen vor einer Platinmine in Südafrika haben interne Polizeiermittler ihre Arbeit aufgenommen. Die Experten seien am Samstag in der Grube von Marikana eingetroffen, wo am Donnerstag bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und streikenden Arbeitern 34 Menschen getötet worden waren, teilte die Dienstaufsichtsbehörde mit. Aufgabe der Ermittler sei es zu klären, ob der Polizeieinsatz im Verhältnis zu der Bedrohung durch die Bergarbeiter war.

Der Ort der Ausschreitungen war am Samstag weiter unter Kontrolle der Polizei. Allerdings waren weitaus weniger gepanzerte Einsatzfahrzeuge im Einsatz als am Vortag, wie ein AFP-Reporter berichtete. Einige hundert Meter entfernt versammelten sich unterdessen Arbeiter der Mine, viele von ihnen waren mit Holzstöcken und Eisenstangen bewaffnet. Die Lage blieb zunächst ruhig. Ein Polizeihubschrauber überflog den Ort.

Präsident Jacob Zuma hatte bei einem Besuch der Mine am Freitag die Einrichtung einer Untersuchungskommission angekündigt. Nach Polizeiangaben hatten die Streikenden ein Ultimatum des Bergwerkbetreibers Lonmin zurückgewiesen, der ihnen im Falle der Fortsetzung des Streiks mit Entlassung drohte. Die Polizei eröffnete nach eigenen Angaben „in legitimer Selbstverteidigung“ das Feuer auf eine Gruppe von Arbeitern, als diese sie mit Schusswaffen angriffen.

Nobelpreisträgerin von Minenmassaker schockiert

Die südafrikanische Nobelpreisträgerin für Literatur Nadine Gordimer hat sich angesichts des Polizeimassakers an protestierenden Minenarbeitern der Platinmine Marikana schockiert gezeigt. Sie sei buchstäblich zusammengebrochen, als sie von den 34 Toten und knapp 80 Verletzten von Donnerstag gehört habe, berichtete die Schriftstellerin im AFP-Interview. „Ich kann nicht glauben, dass dieses Massaker von unserem eigenen Volk an unseren eigenen dunkelhäutigen Menschen verübt wurde“, so die 88-Jährige fassungslos. Die Vorkommnisse seien „völlig inakzeptabel „.

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„Ich hätte nie gedacht, dass dies eines Tages geschehen könnte, als wir unseren Sieg gegen die Apartheid gefeiert haben“, bedauerte Gordimer: „Ich bin sehr beunruhigt und traurig wegen dieser unschuldigen Menschen.“ Sie sei selbst in einer kleinen Bergbaustadt aufgewachsen und wisse um das Elend der Arbeiter: „Sie waren immer unterbezahlt und vernachlässigt, auch im Hinblick auf ihre medizinische Versorgung, obwohl ihre Arbeit gefährlich ist.“ Dabei seien eben diese Menschen ein entscheidender Faktor des Wohlstandes im rohstoffreichen Südafrika. (APA/AFP)


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