Sag niemals Hybrid zu ihm

Das Beispiel des Chevrolet Volt könnte Schule machen: Für Kurzstrecken reicht der Strom des Lithium-Ionen-Akkus, für die Reisetour springt der Benzinmotor an.

Von Markus Höscheler

Innsbruck –Der Streit hat bisher kein Ende gefunden: Ist er nun ein Hybrid oder ist er keiner, der Chevrolet Volt? Geht es nach General Motors, ist er keiner. Die Amerikaner bevorzugen die Bezeichnung Elektrofahrzeug für ihre 4,5 Meter lange Limousine, bestückt mit einem Range Extender (REX), also einem Reichweitenverlängerer. Im Fall des Volt ist es ein Benzinmotor. Der 1,4-Liter-Vierzylinder springt dann an, wenn der Lithium-Ionen-Akku seine Kapazität von 16 Kilowattstunden derart dezimiert hat, dass er den beiden insgesamt 151 PS starken Elektromotoren keine Energie mehr zuführen kann. Bei unserem Test wäre der Volt nach 53,4 Kilometern im reinen Strombetrieb stehen geblieben, hätte es nicht den randvoll mit 35 Litern gefüllten Benzintank samt REX gegeben. Der liefert genügend Vortrieb für mehrere hundert Kilometer. Damit eliminiert der Chevrolet Volt einen Nachteil puristischer Elektrofahrzeuge, die im Normalfall nach 100 bis 150 Kilometern vor einer Steckdose parken müssen. Beim Volt ist es erst nach gut 500 Kilometern so weit – und der Fahrer kann dann immer noch wählen: innerhalb weniger Minuten den Benzintank füllen oder innerhalb mehrerer Stunden den 198 Kilogramm schweren Akku via Stromkabel laden.

Dieser Flexibilität verleihen wir das Prädikat „vorbildlich“ – auch deswegen, da es hier besonders deutlich wird, wie das eigene Fahrerprofil den Verbrauch beeinflusst. Wer den Volt täglich für kurze Pendlerstrecken benötigt und ihn immer wieder mit Strom versorgen kann, wird den von uns erzielten Testverbrauch von 5,0 Litern Benzin locker unterbieten und sich eher dem Normverbrauch von nur 1,2 Litern Treibstoff annähern. Langstrecken-Orientierte werden dagegen herkömmliche Tankstellen aufsuchen müssen und Verbräuche jenseits von sechs Litern akzeptieren müssen. Es sei denn, sie greifen in die gut befüllte Trickkiste des Volt. Mit der Hold-Funktion lässt sich der Batterie-Ladestand einfrieren – auf der Autobahn bietet sich das an –, um den Strom später beispielsweise in Ballungszentren besser nützen zu können.

Die zuvor erwähnte Trickkiste hält unter anderem zwei hochauflösende Farbbildschirme im Fahrzeuginneren parat, die eine Fülle von Informationen präsentieren. Die Bedienung erfordert am Anfang allerdings Einarbeitungszeit und immer wieder Konzentration wegen der vielen Tasten.

Die vom Volt berechnete Bewertung des Fahrstils mag anfangs verwirren, regt aber im Laufe der Fahrt den Ehrgeiz an. Der kommt im Strom-Chevy schon deswegen nicht zu kurz, weil die beiden E-Motoren vom Stand weg 370 Newtonmeter Drehmoment auf die Vorderachse leiten und innerhalb von 3,1 Sekunden von null auf 50 km/h beschleunigen können. Beeindruckend dabei ist nicht nur der Vorwärtsdrang, sondern auch seine Stille. Das überrascht wiederum Passanten und Radfahrer.

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Sein Speed-Limit erreicht der Volt übrigens bei 160 km/h – was in den meisten Staaten schon das gesetzliche Limit überschreitet. Der angehaltene Volt-Fahrer kann dann immerhin mit den Polizisten darüber streiten, ob der Volt ein Plug-in-Hybrid ist.


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