Assad zeigt sich in Moschee - Kämpfe in Damaskus

Seit dem tödlichen Anschlag auf Mitglieder seines inneren Machtzirkels hatte sich der syrische Präsident nicht mehr gezeigt. Das ganze Wochenende wurde im Land weiter heftig gekämpft.

Damaskus – Der von Aufständischen bedrängte syrische Präsident Bashar al-Assad hat sich erstmals seit einem Monat wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Während Aktivisten aus mehreren Vierteln von Damaskus Kämpfe meldeten, strahlte das staatliche Fernsehen Aufnahmen von Assad beim Gebet neben dem Mufti des Landes in einer Moschee der Hauptstadt aus. Am Sonntag feierten die Muslime das Fest des Fastenbrechens.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete, die Regierungstruppen hätten versucht, die von den bewaffneten Revolutionären kontrollierten Viertel Al-Kadam und Asali in der syrischen Hauptstadt zu stürmen. Landesweit sollen die Truppen des Regimes am Sonntag 33 Menschen getötet haben, darunter drei Deserteure. Schwere Angriffe wurden unter anderem aus dem Umland von Damaskus, aus Daraa und aus der Provinz Deir as-Saur gemeldet. Das ganze Wochenende über war gekämpft worden.

Einen Tag vor dem offiziellen Ende der UN-Beobachtermission in Syrien (UNSMIS) rief deren Leiter, Generalleutnant Babacar Gaye, die Konfliktparteien am Samstag auf, die Gewalt zu beenden und ihren Verpflichtungen zum Schutz von Zivilisten nachzukommen. „Diese Verpflichtungen sind nicht respektiert worden“, sagte der Chef der unbewaffneten Militärbeobachter vor der Presse in Damaskus.

Der Sicherheitsrat hatte entschieden, das Mandat der im April nach Syrien entsandten Beobachter nicht zu verlängern. Anstatt wie geplant einen Waffenstillstand zu überwachen, hatte die UNO-Truppe hilflos zugesehen, wie das Land immer tiefer im Bürgerkrieg versank. Ersetzt werden soll UNSMIS durch ein politisches Verbindungsbüro der Vereinten Nationen in Damaskus. Gleichzeitig tritt der Algerier Lakhdar Brahimi die Nachfolge von Kofi Annan als Vermittler im Syrien-Konflikt an. Annan hatte keinen Erfolg vorweisen können und deshalb das Handtuch geworfen.

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Brahimi verlangte am Samstag Klarheit darüber, welche Unterstützung er von den Vereinten Nationen für seine Aufgabe erwarten kann. Es seien viele Fragen offen, sagte der 78-jährige Algerier der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefoninterview: „Wie sollen wir uns organisieren, mit wem sprechen wir und welche Art von Plan werden wir ausarbeiten“. All das müsse geklärt werden. Im Sender France 24 fügte er mit Blick auf den Sicherheitsrat hinzu: „Wenn sie mich nicht unterstützen, gibt es auch nichts zu tun.“

Für Aufsehen sorgten unterdessen Berichte über die Involvierung westlichen Geheimdienste in den Syrien-Konflikt. So bestätigte das deutsche Verteidigungsministerium einen Bericht, nachdem ein Schiff der Marine im östlichen Mittelmeer. Nach Angaben der „Bild am Sonntag“ befindet sich auf dem Schiff modernste Spionagetechnik. Die Erkenntnisse sollen an die syrischen Rebellen weitergeleitet werden.

Auch der britische Geheimdienst unterstützt die syrischen Rebellen einem Oppositionsvertreter zufolge mit Informationen über Bewegungen der Truppen von Präsident Bashar al-Assad. Die Briten würden über einen Stützpunkt in Zypern die Lage observieren und an die Türkei und die USA weiterleiten, die mit den Rebellen in Kontakt stünden. (APA/Reuters/dpa/AFP)


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