E10 für Foodwatch gefährlicher Irrweg

Der Chef der Konsumentenorganisation Foodwatch, Thilo Bode, kritisiert alle Bioenergie-Subventionen.

Berlin –Für den Geschäftsführer der Konsumentenorganisation Foodwatch, Thilo Bode, ist die gesamte Biosprit-Strategie ein Menschenleben gefährdender Irrweg. Das zeige sich gerade jetzt bei der akuten Getreideknappheit.

Das Perverse daran sei, dass der Steuerzahler dies mit hohen Subventionen auch noch bezahlen müsse, kritisiert er im Interview mit der dpa: „Generell ist Biosprit ein Irrweg, sowohl in Deutschland als auch in den USA, wo bereits rund 40 Prozent der Maisernte für die Ethanolproduktion verwendet werden. Das ist eine Flächenkonkurrenz zum Nahrungsmittelanbau und treibt erwiesenermaßen im Weltmaßstab die Preise nach oben.“ In Österreich will Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich den umstrittenen Biosprit E10 im Herbst einführen – der Widerstand dagegen schwelt allerdings massiv. Einzig Bauern und Produzenten sind dafür.

Bode erklärte, dass der Anstieg der Lebensmittelpreise „für uns nicht ein so großes Problem ist, aber in armen Ländern schon, weil die Menschen dort dann nicht 10, sondern bis zu 70 Prozent ihres Einkommens für Essen ausgeben“. 2007, 2008, 2010 und 2011 habe man gesehen, dass deshalb Millionen Menschen an Hungerkrisen leiden. „Das hat daher überhaupt keinen Sinn. Das ist eine Subvention für die Agrarlobby und eine Beruhigungspille für die Autolobby“, erklärte Bode.

Die Biosprit-Strategie in Europa sei in erster Linie deshalb aufgelegt worden, weil die EU Vorschriften zur Reduktion des CO²-Ausstoßes von Autos erlassen habe. Die Autoindustrie habe es geschafft, diese Zielvorgaben aufzuweichen, indem sie gesagt habe, ein bestimmter Prozentsatz dieser Minderung werde durch Biosprit abgedeckt. „Dieser Lobbyversuch ist schon aus dem Grund zweifelhaft, weil wir inzwischen wissen, dass durch Biosprit keine CO²-Emissionen eingespart werden“, bemerkte Bode.

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Auf die Frage nach einer Alternative zur Ethanol-Beimischung erklärte er, dass es noch signifikantes Potenzial zur Verbrauchsreduktion bei Verbrennungsmotoren gebe. Als Erstes müsse man aufhören, immer noch größere und schwerere Autos zu bauen, „dann braucht man diesen Sprit gar nicht“. (TT, dpa)


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