Tattoos: Gekommen, um zu bleiben

Vor 20 Jahren hat das erste Tattoo-Studio in Westösterreich seine Pforten geöffnet. Was einst als verrucht galt, ist längst Mainstream geworden.

Innsbruck – Sie gehören mittlerweile zum Badesee wie der Geruch von Sonnencreme und Pommes. Tätowierungen - einst Zierde von Seemännern oder Sträflingen, sind zum modischen Dauer-Accessoire geworden. Und das quer durch alle Bevölkerungsgruppen.

Eine Pionierin in Sachen dauerhafter Körperschmuck ist hierzulande Daniela Rajnoch. Vor 20 Jahren hat sie nach Lehrjahren in den USA mit "Reaktiv Tattoo" in Innsbruck das damals erste Tattoo-Studio Westösterreichs eröffnet.

„Es hat sich über die Jahre kontinuierlich gesteigert. Die Leute lassen sich mittlerweile immer größere Motive stechen“, erzählt sie.

Globaler Siegeszug

Tätowierte Promis oder TV-Shows tragen zusätzlich zur Popularisierung von Tattoos bei. Für so manchen Körperkünstler, wie etwa „Zombieboy“ Rick Genest ( http://rickgenest.com/ ) führte zudem der Weg direkt von der Freakshow auf den Catwalk und in einen Videoclip mit Lady Gaga.

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Waren Tätowierungen aber vor 20-30 Jahren noch sichtbares Zeichen des Protestes einer Jugendkultur, sind sie heute im Mainstream angelangt. Klassische Motive wie American Old School, Tribals, photorealistische Darstellungen oder asiatisch angehauchte Ornamente sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt der Volkskundler Timo Heimerdinger von der Uni Innsbruck. „Das Revolutionäre oder der Protestcharakter sind den Tätowierungen aber dadurch großteils abhanden gekommen“, so der Professor für Europäische Ethnologie.

Die Vielfalt dominiert

Motive und Motivation für eine Tätowierung sind dabei so vielfältig wie die Träger selbst. Aber freilich sind Tattoos auch gewissen Moden unterworfen: Waren früher Becken Tribals – im Volksmund "Arschgeweih" genannt - populär, so soll mit den Zeichen heute oftmals über den ornamentalen Charakter hinaus Bedeutung transportiert werden. „Derzeit sind verschiedenste Schriften, Texte oder Gedichte sehr gefragt“, erzählt Rajnoch.

Mit dem Tattoo-Boom gewinnt auch das Berufsbild des Tätowierers zunehmend an Kontur. In dem Roman „Bis ich dich finde“ des US-Amerikaners John Irving kam die Zunft etwa 2005 zu literarischen Ehren. Und auch in der Kunst-Szene erleben Tätowierungen einen regelrechten Boom. Der französische Verlag Noire Méduse präsentiert z.b. mit dem Bildband „La Veine Graphique“ 15 avantgardistische Tattoo-Artists und ihre Arbeiten. Die Bandbreite der Künstler reicht von Autodidakten über Street Artists bis hin zu Absolventen von Kunsthochschulen. ( http://www.noire-meduse.com/ )

Berufung

Für Daniela Rajnoch ist ihr Job jedenfalls mehr Berufung als Beruf. „Ich finde es schön, dass ich mich auf anderen Menschen verwirklichen kann“, so die Tattoo-Künstlerin.

Dass der Boom wieder abflauen könnte, glaubt sie nicht. „Mittlerweile gibt es fast so viele Tattoostudios wie Nagelstudios. Tätowierungen gehören einfach zu unserem Leben“.


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