Almabtrieb wird zum Faustpfand

Am 8. September sollte der Almabtrieb in Jerzens stattfinden. Der Zwist zwischen Agrar und Gemeinde bringt ihn ins Wanken.

Von Renate Schnegg

Jerzens –Seit Jahren ist der Almabtrieb in Jerzens ein Höhepunkt im Pitztaler Terminkalender. Drei Wochen davor scheint der Termin zu wackeln: Die Agrargemeinschaft will nicht mehr mitspielen.

Auslöser ist der Rechtsstreit zwischen Gemeinde und Agrar Tanzalpe: Die Gemeinde unterschrieb die Rechnungsabschlüsse für 2010 und 2011 nicht. Die Agrarbehörde beanstandete den Rechnungskreis II und bestellte einen Sachwalter für alle Belange außerhalb der land- und forstwirtschaftlichen Angelegenheiten, die TT berichtete.

Die Agrar sage den Almabtrieb nicht ab, „sie führt ihn nicht durch“, erklärt BM Karl Raich. Dem Antrag der Agrarier auf 14.000 Euro für den Almabtrieb „hat der Gemeinderat mit knapper Mehrheit nicht zugestimmt“, fügt Raich an, der alles versuchen will, um den Almabtrieb zu retten.

Agrarobmann Gebhard Schöpf stellt klar: „Wir haben kein Geld. Die 14.000 Euro sind unsere jährlichen Verwaltungskosten, zum Beispiel auch die Stromkosten für den Kadaverplatz der Gemeinde. Wir stellten zwei Mal den Antrag, dass wir die Verwaltungskosten für heuer und für die letzten beiden Jahre ersetzt bekommen.“ Gewährt sei er nur für heuer worden, obwohl auch in den letzten beiden Jahren Kosten beim Almabtrieb angefallen seien.

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„Sollen wir vielleicht einen Almabtrieb machen, bei dem immerhin 60 Leute nötig sind, und zu den Mitgliedern dann sagen, dass sie dafür zahlen sollen“, fragt sich der Obmann, „die zeigen uns doch den Vogel.“ Für ihn steht fest: „Entweder die Gemeinde fasst den Beschluss oder wir machen keinen Almabtrieb.“

Gemeindepräsident Ernst Schöpf findet es „keck und kühn, den Almabtrieb ins Spiel zu bringen. Die Agrar kann nicht nach Belieben Gelder vom Rechnungskreis I in den Rechnungskreis II verschieben, nur weil ein Almabtrieb ansteht.“ Was ihn ärgert: dass von politischer Seite nichts zum Thema zu hören sei. Er ortet hinter dem Vorgehen der Agrarier Zermürbungstaktik. „Ich hoffe aber schon, dass der Sachwalter einschreitet“, so Schöpf.


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