18-Jähriger wegen Parkhaus-Mordes an der kleinen Lena vor Gericht

Die elfjährige Lena wollte zum Entenfüttern und kehrte nie wieder nach Hause zurück. In einem Emder Parkhaus wurde sie vergewaltigt und ermordet. Jetzt steht der mutmaßliche Mörder vor Gericht. Seine pädophilen Neigungen waren der Polizei bekannt.

Aurich - Rund fünf Monate nach dem gewaltsamen Tod der elfjährigen Lena in einem Emder Parkhaus hat am Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Der 18-Jährige muss sich vor dem Landgericht Aurich unter anderem wegen Mordes verantworten. Im wird vorgeworfen, die Schülerin im vergangenen März in einem Parkhaus vergewaltigt und getötet zu haben.

Die Richter schlossen die Öffentlichkeit gleich zu Beginn der Verhandlung aus Gründen des Opfer-, Hinterbliebenen- und Täterschutzes aus. Bereits die Verlesung der Anklage erfolgte zum großen Teil hinter verschlossenen Türen. Ein Gerichtssprecher sagte am Rande der Verhandlung zum Tatgeschehen lediglich, Lena sei erwürgt worden, nachdem sie sexuell missbrauchte wurde. „Todesursache war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft das Erwürgen.“ Weitere Details der Tat wurden nicht öffentlich gemacht.

Der 18-jährige Angeklagte muss sich unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs sowie Mordes zur Verdeckung einer Straftat verantworten. Aufgrund seines Alters könnte er als Heranwachsender behandelt werden, für den das Jugendstrafrecht mit dem Schwerpunkt auf Resozialisierung gilt. Sollte ihn das Gericht entsprechend einstufen, läge die Höchststrafe im Falle einer Verurteilung bei zehn Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hielt es aufgrund des persönlichen Entwicklungsstand des 18-Jährigen bereits im Voraus für wahrscheinlich, dass der angehende Gerüstbauer als Heranwachsender gelten wird.

Der Vorsitzende Richter begründete den Ausschluss der Öffentlichkeit mit den besonderen Schutzinteressen aller Verfahrensbeteiligten. Neben dem Angeklagten, dem durch die Erörterung seiner Lebensdetails negative Folgen drohen könnten, würden auch die Hinterbliebenen von Lena angesichts der zu erwartenden großen medialen Aufmerksamkeit in ihren Interessen „nachhaltig negativ beeinflusst“.

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Die Mutter von Lena und ihr Bruder treten vor Gericht als Nebenkläger auf. „Durch ihre Teilnahme wollen sie Lena Gesicht und Stimme geben“, hatte der Anwalt der Angehörigen im Voraus mitgeteilt. Am Montag wollte er sich nicht weiter äußern. Das sei mit seinen Mandanten so vereinbart worden, sagte er.

Lynchjustizaufrufe

Der Mord an der Elfjährigen hatte nicht nur wegen der eigentlichen Tat für Entsetzen gesorgt: In Emden war es nach der Festnahme eines 17-jährigen Verdächtigen, der sich später als unschuldig erwies, zu Lynchjustizaufrufen und einem Auflauf vor einem Polizeirevier gekommen. Ein 18-Jähriger, der den Auflauf mit einem Facebook-Aufruf ausgelöst hatte, wurde später zu 14 Tagen Arrest verurteilt.

Der nun Angeklagte wurde kurz danach festgenommen und gestand, Lena getötet zu haben. Zu Einzelheiten der Tat aber schwieg er nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher. Zusätzlich wird dem 18-Jährigen die versuchte Vergewaltigung einer Joggerin im November in Emden vorgeworfen. Wie die zuständige Staatsanwältin bei der noch öffentlichen Verlesung der Anklageschrift sagte, soll er hinter der Frau hergelaufen sein, um sie von hinten anzufallen, zu würgen und zwischen Bäume zu schleppen. Der Frau gelang es durch massive Gegenwehr, sich loszureißen und zu flüchten. (dpa)


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