Sicherheitsmaßnahme, die auch den Fischen was bringt

Mit der Verbauung des Tiefenbachs entstand eine neue Auenlandschaft in Aschau. In Finkenberg werden 9,8 Mio. € in die Sicherheit investiert.

Von Angela Dähling

Aschau, Finkenberg –Ein für die Sicherheit notwendiger Eingriff in die Natur, der sich aber negativ auf das Landschaftsbild auswirkt – so sehen manche die Bauwerke der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV). Dass sie unter gegebenen Umständen eine ökologische Bereicherung sein können, zeigt sich jetzt in Aschau. Dort entstand durch die Zusammenarbeit von WLV und Naturschutzbehörde mit einer neuen Auenlandschaft nicht nur ein zusätzlicher Naherholungsraum. Es wurde durch die Baumaßnahmen auch möglich, dass über den Ziller nun erstmals wieder Fische in den Tiefenbach gelangen.

Anlass für die Maßnahmen waren jedoch sicherheitstechnische Aspekte. „Das Gerinne beim Tiefenbach war zu klein, so dass der Bach in den letzten Jahren immer wieder überging und Häuser und die Landesstraße gefährdete“, erklärt der Schwazer WLV-Gebietsbauleiter Joe Plank. Lösungspläne scheiterten in den letzten 40 Jahren auch daran, dass man sich mit den Grundeigentümern nicht über eine akzeptable Linienführung einigen konnte. Entschieden wurde schließlich zusätzlich zum Ausbau eine Entlastungsrohrleitung zu errichten, in der im Hochwasserfall der Wasserüberschuss abrinnt. Im unteren Bereich wo der Zillertaler Radweg verläuft, fließen beide Gewässer wieder zusammen in ein neu geschaffenes Bachbett. „Zuvor wurde der Tiefenbach in einem Stahlgerinne in den zehn Meter entfernten Aschauer Bach geleitet“, erläutert WLV-Lokalbauführer Mathias Hofer aus Aschau. Durch die glatte Stahlsohle und die geringe Fließtiefe war der Bach für Fische unpassierbar. Im neuen natürlichen Bachbett, das flach in den Ziller mündet, tummeln sich inzwischen etliche Fische. „Ein ähnliches Projekt werden wir auch beim Gewerbepark Aschau verwirklichen“, freut sich Bürgermeister Andreas Egger, der betont, dass die Sicherheit beim Tiefenbachprojekt trotz positiver Begleiterscheinungen im Vordergrund stand. Die Kosten von 1,2 Mio. Euro teilen sich Bund (55 %), Land (17 %), Gemeinde Aschau (25 %) und die Landesstraßenverwaltung (3 %).

Ein riesiges WLV-Projekt, das in 15 Jahren Bauzeit insgesamt rund 9,8 Mio. Euro verschlingen dürfte, wird derzeit in Finkenberg umgesetzt. „Ganz Finkenberg – und hier vor allem die Tuxer Landesstraße – ist massiv durch Steinschläge, Schneerutschungen und Wildbäche gefährdet“, erläutert Plank. Letzten Winter musste deshalb mehrfach die Straße gesperrt werden. Fünf Steinschlagschutzdämme, 2500 Laufmeter Steinschlagschutznetze und 400 Laufmeter Lawinenschutznetze werden jetzt an der Südseite des Penkenmassivs von der Auffahrt ab Mayrhofen bis zur Rosengartenbrücke vor Tux errichtet. Im Ortsteil Innerberg steht ein 100 m langes und 5,2 m hohes Lawinenauffangnetz kurz vor der Fertigstellung. Während der Bautrupp stolz auf sein Werk ist, stört der Anblick der Beton-Stahl-Konstruktion auf der grünen Wiese einige Anrainer – aber die Sicherheit hat Vorrang.

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