Thomas-Bernhard-Fan und Wiener Strizzi am Steilhang

Regisseur Benjamin Heisenberg dreht für seinen neuen Film im Osttiroler Villgratental. Es geht um eine außergewöhnliche Männerbeziehung.

Von Catharina Oblasser

Außervillgraten –Mühsam quält sich ein Lkw mit Kameraausrüstung die steile Straße zum Versellerberg, Gemeinde Außervillgraten, hinauf. Der Minibus dahinter tut sich nicht minder schwer. „Wohnen die Leute das ganze Jahr über hier heroben?“, fragt eine Team-Mitarbeiterin angesichts der extrem steilen Hänge. Schließlich ist das Ziel erreicht: Der Glieferhof auf 1600 Metern Seehöhe. Den wählte Regisseur Benjamin Heisenberg als Drehort für seinen neuen Film, der zu einem Teil hier in der Osttiroler Einschicht entsteht.

„Der vorläufige Titel lautet ‚Wandelsterne‘. Diese Idee stammt aus einer Anekdote, die mein Drehbuch-Koautor Josef Lechner erzählt hat“, erklärt Regisseur Heisenberg. Der Deutsche feierte zuletzt mit „Der Räuber“ Erfolge bei Kritikern und Festivals. Den endgültigen Titel seiner neuen Produktion will Heisenberg noch nicht verraten. „Es wird etwas mit psychologischen Überschneidungen zu tun haben.“

Das liegt nahe, handelt der Streifen doch von einem alten Starpsychologen (gespielt vom Elsässer André Wilms), der mit seiner NS-Vergangenheit zu kämpfen hat. In seinem Rückzugsort in den Bergen trifft er auf einen Lebenskünstler, der auf die schiefe Bahn geraten ist (gespielt von Georg Friedrich). Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine ganz spezielle, teils auch für Komik sorgende Beziehung. „Sie geben den Kampf nicht auf, weil sie beide im Widerstand ihre Würde bewahren – und sich gleichzeitig vollkommen lächerlich machen“, so der Regisseur.

„Ich habe einen Film von Benjamin Heisenberg gesehen, und der hat mir gefallen“, begründet Wilms sein Mitwirken bei den hochalpinen Dreharbeiten in Österreich. „Außerdem bin ich ein großer Fan von Thomas Bernhard.“ Vom Almleben und der Osttiroler Landschaft ist er weniger begeistert. „Wir Franzosen haben wohl ein anderes Naturgefühl. Ich hasse Geranien.“

Gegenteiliger Meinung ist Georg Friedrich, der das Villgratental schon kennt. 2003 stand er in Innervillgraten für „Kaltfront“ vor der Kamera. „Hier ist die Gegend so schön, da strengt das Arbeiten weniger an.“ Obwohl Friedrich in seiner Rolle exakt dem Typus des Wiener Strizzis entspricht, kommt seine Figur laut Film aus Linz. „Eigentlich sollte das Ganze in München angesiedelt sein, doch diesen Dialekt kann ich nicht glaubwürdig sprechen.“ Da traf man sich in der Mitte.

Inzwischen bereitet das 60-köpfige Team die nächste Szene vor. „Danke“, soll Stefan Trojer sagen, das Geld von Georg Friedrich entgegennehmen und dann ins Haus frühstücken gehen. So lautet die Regieanweisung an den Elfjährigen aus Außervillgraten. Keine große Rolle, aber er wird immerhin deutlich auf der Leinwand zu sehen sein, wenn der Film in die Kinos kommt. „Bis nächsten Dienstag drehen wir noch in Osttirol“, sagt Koproduzent Alexander Glehr. Weitere Motive sind der Wurzerhof und die Wurzeralm. Er schwärmt von der Naturbelassenheit der Region, die für die Dreharbeiten genau passend sei.

„Wandelsterne“ ist eine deutsch-österreichisch-schweizerische Koproduktion mit einem Budget von drei Millionen Euro und 37 Drehtagen. Der Kinostart ist für Ende 2013 vorgesehen. Danach ist „Wandelsterne“ auch im TV zu sehen.


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