Kein Ende der hohen Spritpreise in Sicht und weiter Kritik an E10

Mitten im Urlaubsmonat August klettern die Spritpreise wieder in Richtung Rekordwert. Auch die Kritik am E10-Biosprit reißt nicht ab.

Wien - Der Benzinpreis hat am Samstag in Deutschland mit 1,692 Euro je Liter Super E10 einen historischen Höchstwert erreicht - und Besserung ist nicht in Sicht. Die Rohölpreise sind am Montagfrüh weiter angezogen, auch die Zapfsäulenpreise in Österreich verweilten auf hohem Niveau. Eurosuper kostete im Schnitt 1,489 Euro je Liter, bei Diesel lag der Durchschnittspreis bei 1,420 Euro.

ARBÖ und ÖAMTC führen die Zapfsäulenpreise auf die hohen Rohölpreise zurück, die zum Teil eine Folge der erhöhten Nachfrage in der Reisesaison sind, aber auch des derzeit schwachen Eurokurses. Beide Klubs empfehlen dringend, die Preise vor dem Tanken zu vergleichen. So schwankte nach ARBÖ-Berechnung am vergangenen Freitag der Preis für Eurosuper zwischen 1,370 und 1,549 Euro je Liter.

Die Mineralölindustrie verweist auch auf die politische Instabilität im Nahen und Mittleren Osten. Dies werde zumindest kurzfristig Preissenkungen verhindern. „Der Ölpreis steigt derzeit, weil die Nordsee gegenwärtig weniger Öl liefert, das Iran-Embargo wirkt und China und Brasilien Konjunkturprogramme aufgelegt haben und mehr Rohöl nachfragen. Das motiviert Hedgefonds und Finanzspekulanten, auf steigende Ölpreise zu setzen“, so der Geschäftsführer des Fachverbandes der Mineralölindustrie, Christoph Capek.

Im Wirtschaftsministerium gibt es derzeit keine Überlegungen, Änderungen beim Spritpreis-Korridor wegen der hohen Spritpreise vorzunehmen. Die entsprechende Verordnung wird wie geplant bis zum Herbst evaluiert, erklärte das Ministerium am Montag.

E10-Treffen von Faymann und Spindelegger

Inzwischen könnte Bewegung in die Diskussion über den „Ackertreibstoff“ E10 (Benzin mit 10 Prozent Ethanolanteil) kommen. Wie die „Salzburger Nachrichten“ berichten, soll diese Woche ein Spitzentreffen von Bundeskanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger dazu stattfinden. Eine Bestätigung dafür war bisher nicht zu erhalten.

Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) will im Herbst E10 einführen, braucht dazu aber die Zustimmung von Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Und die geben sich bedeckt.

Am Montag hat sich die FPÖ zu Wort gemeldet und die Einführung von E10 mit „Menschenopfern“ in Zusammenhang gebracht. „Der Teller muss wichtiger sein als der Tank“, forderte FPÖ-Verkehrssprecher Gerhard Deimek in einer Aussendung. In Deutschland hat Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) seine Forderung wiederholt, die Produktion von E10 einzustellen, da diese den Hunger in der Welt fördert.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) warnt vor „verheerenden Umweltauswirkungen, mit denen zu rechnen ist, wenn Agro-Kraftstoffe in großem Stil produziert werden“. Die finanziellen Folgen müssten dann alle tragen, ob Autofahrer oder nicht. (APA)


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