Die lange Suche nach der richtigen Zugfahrkarte

Die Grünen in Nord- und Südtirol üben Kritik am Zustand des Bahnhofs Brenner. Auch der Ticketkauf erweist sich als Hürde für Reisende.

Von Nikolaus Paumgartten

Brenner –Eigentlich wollten Andrea Fiedermutz und ihr Sohn Gabriel an diesem sonnigen Dienstagvormittag nur einmal einen Abstecher nach Bozen machen und „Ötzi“ im Museum besuchen. Jetzt droht der Ausflug der Innsbruck-Urlauber aus Wien auf nicht einmal halber Strecke am Brenner-Bahnhof zu scheitern. Andrea Fiedermutz steht am Ticketautomaten und drückt auf die Knöpfe. Gültige Fahrkarten spuckt das Gerät allerdings nicht aus.

Zur gleichen Zeit wenige Meter weiter vor dem Eingang des Bahnhofs: Der grüne LA Georg Willi und sein Südtiroler Parteikollege Sepp Kuss­tatscher verteilen – begleitet von einer Gruppe lautstark aufspielender Trompetenspieler – Flugzettel an die Reisenden. Darauf machen sie auf die „unhaltbaren Zustände“ am Bahnhof aufmerksam und bezeichnen diesen als „heruntergekommenen, ungastlichen, nicht barrierefreien Schandfleck, mit wenig bis keinem Service“. „Es gibt keinen Infodienst, keine Aufzüge und die Geleise sind nur über eine schmuddelige Unterführung zu erreichen“, erklärt Kusstatscher. Der Bahnhof sei zweier Tourismusländer wie Österreich und Italien schlichtweg nicht würdig, so der Südtiroler Grünpolitiker.

LA Georg Willi kritisiert neben dem schlechten Zustand des Bahnhofs auch die Tatsache, dass Fahrgäste in Nordtirol kein Regionalzugticket für Südtirol kaufen können. Wer von Innsbruck kommend den Brenner erreicht, muss sich seinen Weg zum richtigen Ticketautomaten bahnen, um die Anschlussfahrkarte lösen zu können – ein oft nicht nur zeitliches Problem, vor dem in dieser Minute auch Familie Fiedermutz steht.

Nach einigen umsonst zurückgelegten Metern und nach Rückfrage bei einem Busfahrer des Schienenersatzverkehrs lotst LA Willi die beiden Ausflügler schließlich durch die Unterführung zum richtigen Fahrscheinautomaten des Südtiroler Verkehrsverbundes. Der Besuch im Ötzi-Museum ist gerettet.

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Was die Infrastruktur der Bahn am Brenner und das Erscheinungsbild des Bahnhofes betrifft, verweisen die ÖBB auf Nachfrage der Tiroler Tageszeitung auf die Verantwortung der Trenitalia. Dass Bahnkunden in Nordtirol derzeit noch keine Regionalfahrkarten für Südtirol kaufen können, sei jedoch ein Problem, das man so schnell wie möglich lösen wolle. Bis Ende des Jahres sollen entsprechende Verhandlungen mit den beteiligten Verkehrsunternehmen abgeschlossen werden, dann sollen Bahnkunden zumindest am Schalter bzw. im Zug gültige Regionalfahrkarten auch für Südtirol kaufen können.


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