Jenbacher Pilzberater warnen vor alten Ratgebern

Manche Pilzarten, die einst als essbar galten, werden inzwischen als ungenießbar eingestuft. Viele Infos gibt es bei der Tiroler Pilzschau.

Von Walter Zwicknagl

Jenbach – Kostenlose Beratertätigkeit für Pilzsammler bietet der Verein für Pilzkunde Tirol in Jenbach schon seit dem Jahr 1975. „Inzwischen haben viele unsere Dienste in Anspruch genommen“, freut sich Obmann Hermann Haidenhofer und verweist, darauf, dass es bis Ende September jeweils am Freitag und Sonntag im Jenbacher Museumsgebäude von 18.30 bis 20 Uhr eine Beratung für Pilzesammler gibt. Haidenhofer warnt in diesem Zusammenhang davor, dass Pilzliteratur älterer Herkunft nicht mehr aktuell sein muss und essbare Arten heute einen anderen Stellenwert haben und als ungenießbar oder sogar giftig eingestuft werden.

Gerade die Pilzschau große Pilzschau am 1. und 2. September im Jenbacher VZ bietet viele Informationen. Dabei gibt es auch eine Zuchtpilzecke. Erstmals ist die Schau im Veranstaltungszentrum und nicht wie gewohnt in der Jenbacher Hauptschule. Geöffnet ist jeweils von 10 bis 18 Uhr. 300 Pilzarten werden auch heuer gezeigt.

Es gibt Vorträge mit Lichtbildern, aber auch Leckeres aus der Pilzküche wie Schwammerlgulasch, Pilzknöderlsuppe, Bandnudeln mit Rahmpilzen und panierte Boviste werden geboten. Auch über die Vielfalt von Nudeln und Gewürzen wird bei der Tiroler Pilzschau informiert. Zufrieden ist Haidenhofer, der schon seit 32 Jahren Obmann ist, mit der heurigen Pilzsaison. In den vergangenen Tagen gab es zwar eine schwächere Ausbeute, aber vor allem die Eierschwammerln gedeihen heuer prächtig.

Die Hauptaufgabe des Vereins sieht er vor allem in Informationen über Giftpilze. Und darin ist der Mikrobiologe Martin Kirchmair von der Universität Innsbruck ein Vollprofi. Er weiß von jüngsten Vergiftungen mit dem Spitzbuckeligen Raukopf, der schwere Nierenschäden verursacht. Ein Sammler hatte diese Pilze mit Eierschwammerln verwechselt. Der Experte schüttelt den Kopf, wenn er an eine Bestellung von Rauschpilzen per Internet denkt. Bekommen hat der Kunde nämlich Rauköpfe. Dass Faltentintlinge und der Spitzschuppige Schirmling zusammen mit Alkoholkonsum Probleme machen, weiß man noch gar nicht so lange. Kirchmair berichtet weiters vom braunen Trichterling, der unerträgliche Schmerzen an Fingern und Zehenspitzen verursacht. Dagegen hilft auch kein Schmerzmittel.

Und er kann Schauriges von von kleinen, weißen Pilzen in China erzählen, die einen Herzstillstand verursachen, der in der Literatur als der „plötzliche Tod in Yunaan“ vermerkt ist.


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