Missbrauch in Heimen: Landes-Einsatzgruppe hat sich formiert

Der Vorschlag solle nun bis spätestens Ende der Woche von der Regierung abgesegnet werden.

Innsbruck - Das Land Tirol hat nach den am Dienstag vor einer Woche bekanntgewordenen Vorwürfen von Zwangsarbeit für heimische Unternehmen in den 60er Jahren von Zöglingen der Schwazer Landeserziehungsanstalt St. Martin die installierte Einsatzgruppe „Arbeit in Tiroler Heimen“ zusammengestellt. Der Vorschlag solle nun bis spätestens Ende der Woche von der Regierung abgesegnet werden, hieß es aus dem Büro des zuständigen Soziallandesrat, Gerhard Reheis (S), auf Anfrage der APA.

Heute, Dienstag, seien die Zusammensetzung der Einsatzgruppe und die einzelnen Arbeitsaufgaben ausgearbeitet worden. Auch die Einrichtung einer Anlaufstelle für weitere mögliche Opfer wurde angedacht. Als Koordinator habe man Dietmar Schennach, Vorstand der Gruppe Gesundheit und Soziales, ins Auge gefasst.

In der Zwischenzeit wurden bei der mit derartigen Vorwürfen konfrontierten Beleuchtungsfirma EGLO mit Sitz in Pill im Bezirk Schwaz - sie soll eine „wenige Wochen“ andauernde Zusammenarbeit für die Anfertigung von Lampenschirmen mit dem Kinderheim gehabt haben - Überweisungsbelege aus dem Jahr 1980 gefunden. Dabei wurden in drei Chargen die Löhne für Oktober und November direkt auf das Konto des Landesjugendheimes transferiert. Insgesamt handelte es sich um einen Betrag von rund 20.000 Schilling (1.453 Euro), berichtete das Unternehmen gestern in einer Aussendung.

EGLO wird weiter recherchieren

Der Gesellschafter des Leuchtenherstellers, Ludwig Obwieser, kündigte an, dass EGLO in dieser Sache weiter recherchieren werde. Er forderte die Aufklärung darüber, wo die den Heimkindern zustehenden Löhne hingeflossen seien.

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Im Hinblick auf die weitere Vorgangsweise im Land solle nach dem OK vonseiten der Regierung die verschiedensten Gesichtspunkte, wie beispielsweise die Prüfung vorhandener historischer Akten, die Rekonstruktion der Heimgeschichte, die Anhörung von Zeitzeugen, die Betrachtung von unterschiedlichen Beschäftigungsaspekten, das Einbringen der historischen Betrachtung, die Einbindung betroffener Firmen und Organisationseinheiten erörtert werden.

Der „Kurier“ hatte vor einer Woche von Arbeitseinsätzen von Jugendlichen bei namhaften, heimischen Unternehmen berichtet. Die für diese Arbeitsleistungen bezahlten Löhne an das Kinderheim sollen den damaligen Insassen vorenthalten worden sein, hatten Betroffene erzählt. Vergangenen Sonntag sprach eine heute 61-jährige Tirolerin davon, damals als 16-Jährige in St. Martin mehrmals von Soldaten des Tiroler Bundesheeres vergewaltigt worden zu sein. (APA)


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