Österreicher „blank“ in Gesundheitsfragen

Gesundheits-Analphabetismus: Die Österreicher weisen zu einem Gutteil deutliche Inkompetenz bei Gesundheitsfragen auf. 56 Prozent der Bevölkerung schneiden bei diesem Wissen schlecht bis problematisch ab. Diese beunruhigenden Umfragedaten stellte der Wiener Gesundheitssoziologe Jürgen Pelikan (Ludwig Boltzmann Institut für Gesundheitsförderung) Montagabend bei den „Alpbacher Perspektiven“ vor.

Wenn es um die Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Aussichten auf ein längeres gesünderes Leben geht, kommt es auf Wissen und dessen Umsetzung an. Im Rahmen eines europäischen Projektes wurden deshalb in Österreich und sieben weiteren Staaten je 1.000 Personen zu ihrer Gesundheitskompetenz befragt. Um einen Bundesländer-Vergleich für Österreich zu ermöglichen, wurde das Sample um rund 800 Personen erweitert. Schließlich gab es auch noch eine Umfrage unter 571 Jugendlichen.

„Mangelnde Gesundheitskompetenz betrifft die Mehrheit der Bevölkerung mit 56 Prozent. In der Steiermark findet sich die achtfache Rate an inadäquater Gesundheitskompetenz im Vergleich zu Vorarlberg. Je höher das Alter, desto geringer ist sie. In den Niederlanden bleibt sie gleich. (...) Wer eine höhere Gesundheitskompetenz aufweist, hat signifikant weniger Spitalsaufenthalte, Arztbesuche und Inanspruchnahme von Notfalldiensten“, fasste Pelikan die Ergebnisse zusammen.

Andreas Khol, Obmann des ÖVP-Seniorenbundes, führte Defizite auch auf die soziale und die demografische Entwicklung zurück: „25 Prozent der über 60-Jährigen leben einsam und sind kaum ansprechbar.“ Es sei aber auch zwischen Wissen und realem Handeln zu unterscheiden: „Bei jedem Empfang, den ich besuche, sind die Wiener Schnitzel als erstes weg.“ Martin Gleitsmann (WKÖ) bemängelte das Fehlen eines Gesamtrahmens für die Vermittlung von Gesundheitskompetenz: „Entscheidend ist, früh anzusetzen.“

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