Der grüne Daumen der Promis

Sie sind mehr als nur ein Zufluchtsort vor dem Großstadtlärm. In den Gärten von Prinz Charles und Michelle Obama steckt eine Lebensphilosophie. Der britische Thronfolger und die First Lady leben das, was sie predigen.

Eine Legende besagt, dass Prinz Charles regelmäßig mit seinen Pflanzen spricht – das verhindere, dass er verrückt werde, soll er sogar einmal zugegeben haben. Dass seine Bäume für ihn fast wie sein eigen Fleisch und Blut sind, das bekundet er jedenfalls ganz ungeniert. „Sie werden wie Kinder, denen man Jahr für Jahr beim Wachsen zusieht“, schreibt er über die Bäume in seinem Privatgarten am Landsitz Highgrove in der Nähe der Stadt Bath. Er hat ihn selber angelegt. Herausgekommen ist ein wahrer Öko-Zaubergarten, mit dem der passionierte Naturschützer Standards für Bio-Gartenbau setzt.

Highgrove ist nicht sein einziger Garten. Auch am Londoner Wohnsitz Clarence House und auf dem schottischen Balmoral Estate gibt es Anlagen, die ebenfalls nach Bio-Standards geführt werden. Doch Highgrove war Charles‘ besonderes Herzensprojekt. Als er Highgrove House 1980 kaufte, um von dort aus das Landleben genießen und gleichzeitig in der Nähe der Stadt leben zu können, gab es noch keinen Garten.

Heute gibt es auf der Anlage formal angelegte Abschnitte, einen Bauerngarten und einen Bereich, in dem Wald-Vegetation gedeiht. Ein nahezu ausgestorbenes Habitat erweckte Charles mit der Wildblumen-Wiese wieder zum Leben. Hier finden sich mittlerweile mehr als 30 heimische Arten, darunter Knabenkraut, Klappertopf oder Kuckucks-Lichtnelke.

Die Haus- und Gartenversorgung folgt in vielem dem Nachhaltigkeitsprinzip, für das Charles so oft die Werbetrommel rührt. Abwasser aus dem Haus und von der Obstplantage fließt in ein spezielles Schilfrohr-System. Sämtlicher Biomüll wird kompostiert und recycelt. Zur Schädlingsbekämpfung werden natürliche Feinde bevorzugt. Es wird ausschließlich natürlicher Dünger verwendet. Angebaut wird auch Lieblingsgemüse von Charles: Kartoffeln, Kohl, Rosenkohl und Karotten. Unter den zahllosen Bäumen sind viele Apfelbäume, darunter auch fast ausgestorbene Sorten.

Hinter Charles‘ Garten steckt eine Menge Philosophie. Der Öko-Prinz verfolgt sie seit vielen Jahren und hat sie unter anderem in seinem Buch „Harmonie – Eine neue Sicht unserer Welt“ erklärt. Er versteht sein Engagement als „Aufruf zur Revolution“ und kritisiert den Umgang der Menschen mit der Natur. „Die Erde ist in Gefahr“, heißt es schon auf den ersten Seiten. „Sie wird nicht fertig mit allem, was wir ihr abverlangen.“

Eine ernste Botschaft verbirgt sich auch hinter dem Gemüsegarten von Michelle Obama, der Ehefrau des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Sie legt viel Wert auf gesunde Ernährung – in ihrer Familie wie bei den Amerikanern. Nach nur zwei Monaten, nachdem Barack Obama in seinen neuen Wohn- und Amtssitz zog, machte sich seine Ehefrau Michelle an die Arbeit.

Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das Weiße Haus wieder einen richtigen Gemüsegarten haben. Also griff sie 2009 am ersten Tag des Frühlings gemeinsam mit 23 Grundschülern zur Schaufel und begann zu schaffen, was heute eine 140 Quadratmeter große Anbaufläche ist. Bis heute sät, jätet und erntet sie gemeinsam mit Schulklassen selbst.

Zuerst sei sie unsicher gewesen, ob das wirklich eine gute Idee sei, erinnert sich Michelle Obama in ihrem Garten-Buch „American Grown“, das vor wenigen Monaten erschien. „Ich war anfangs gar nicht sicher, ob wir einen Garten pflanzen dürfen“ – schließlich handelt es sich bei dem Gelände um einen Nationalpark. Dann war unklar, ob der Boden mitten in der Hauptstadt überhaupt fruchtbar ist, ob er genug Sonnenlicht bekommt. Die Sorgen waren unbegründet. Zu schaffen habe den Pflanzen zunächst nur der Regen gemacht, der in Washington manchmal wie in Sturzbächen vom Himmel donnert. Aber das habe sie mit schützendem Stroh auf der Erde hinbekommen.

Je nach Jahreszeit wächst nun auf rund zwei Dutzend Beeten so ziemlich alles, was essbar ist. Erbsen wie Spinat, Mangold, Brokkoli und rote Kartoffeln, mindestens vier verschiedene Sorten Salat und auch Rhabarber. Mehr als 330 Kilo gibt der Garten nach offiziellen Schätzungen pro Jahr her. Vieles davon gelangt zum Abendessen auf dem Tisch der First Family oder ihrer Staatsgäste. „Ich gehe fast jeden Abend in den Garten und ernte etwas“, erzählte der Präsidenten-Koch Sam Kass. Was nicht verwendet werde, gehe an karitative Essensausgaben.

Natürlich ist der präsidiale Gemüsegarten mehr als ein Hobby. „Ich wollte, dass er ein Ausgangspunkt für etwas Größeres ist“, schreibt Obama. Der Kampf gegen ungesunde Ernährung ist ihr Hauptanliegen. Und gegen gefährliches Übergewicht, das sich bei Kindern und Teenagern in den USA ausbreitet wie eine Epidemie. Sie selbst habe bei ihren beiden Töchtern Sasha (11) und Malia (14) lange zu wenig darauf geachtet. Fettige Gerichte außer Haus, zuckerhaltige Getränke, das sei auch bei ihr eine schlechte Gewohnheit gewesen. Ihr Garten sollte helfen, die Debatte zu starten „über die Nahrung, die wir essen, die Leben, die wir führen, und wie das alles unsere Kinder betrifft.“

Was nicht bedeutet, dass die Obamas jegliches Gemüse mögen. „Wir glauben, es gibt ein Rote-Beete-Gen. Du liebst sie oder du hasst sie, und keiner von uns hat das Rote-Beete-Gen“, sagte die First Lady. (APA)


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