Fisch-Jäger mit süßen Knopfaugen

Im Gegensatz zu unserem Europäischen Fischotter ist der Zwergotter Asiens in seiner Heimat noch häufig anzutreffen. Er lebt in Vorderindien, Südchina sowie in weiten Teilen Südostasiens, vor allem an Flussmündungen und an Meeresküsten sind Gruppen dieser Tiere bei der Jagd zu beobachten.

Bei der Balz werden die roten Schwellkörper um die Augen der Fasane größer und das glänzende Gefieder wird zur Schau gestellt.Foto: PantherStock

Von Helmut Pechlaner

Auf der Halbinsel Malakka benutzen Bewohner zahme Zwerg­otter zum Fischfang. Die Zwergotter werden ja nur 50 Zentimeter lang und wiegen drei bis vier Kilo, damit sind sie gerade halb so groß wie unsere Europäischen Fischotter. Sie erfüllen mit ihrem abgerundeten Kopf und ihren „Knopfaugen“ so richtig das Kindchenschema, auf das wir alle ansprechen. Kein Wunder also, dass diese Tiere im Zoo von den Kindern mit besonderer Begeisterung beobachtet werden und als Stofftier zu Hause nicht fehlen dürfen. Die Tiere tragen ein dunkelbraunes Fell mit hellgrauer oder weißer Zeichnung an der Kehle und am Bauch.

Die winzigen Schwimmhäute verraten uns schon, dass auch diese Fischotter keine rasanten Schwimmer sind und daher im offenen Wasser kaum Chancen haben, einen gesunden Fisch zu erbeuten. Gemeinsam treiben diese Otter einen unvorsichtigen Fisch in den flachen Uferbereich, um diese ausgiebigen Happen dort zu fassen. Das gelingt selten, daher suchen sie lieber mit Geduld Muscheln, Krebse, Schnecken und andere Wassertiere, nehmen aber natürlich im Uferbereich an Land auch jedes Kleingetier als Futter auf, das sie erwischen können.

Ein typisches äußerliches Merkmal dieser amphibischen Wassermarder sind die kleinen Krallen an den Zehenspitzen. Daher kommt auch der zweite Name „Kurzkrallenotter“. Die Engländer haben bei der Namensgebung übertrieben und diese Tiere in ihrer Sprache auch „Krallenloser Otter“ bezeichnet. Die Zwergotter sind sehr anpassungsfähig, und das nicht nur beim Nahrungsangebot. Sie besiedeln warme Gewässer im dicht bewaldeten Tiefland genauso wie in Bergregionen Indiens, ihr Verbreitungsgebiet überschneidet sich sogar mit dem unseres Eurasischen Fischotters.

Tolerant sind die Zwergotter auch in ihrem Sozialverhalten, wahrscheinlich deshalb, weil sie über eine so breite Futterbasis verfügen. So leben Zwergotter im Freiland genauso wie im Zoo in kleinen Gruppen beisammen, bösartige Beißereien gibt es fast nie. Das Zwerg­otter-Männchen kümmert sich sogar um den eigenen Nachwuchs und bringt verlässlich Futter zur säugenden Partnerin.

Beim Europäischen Fischotter hingegen schaut das Familienleben völlig anders aus: Bei nächtlichen Wanderungen begegnen einander Weibchen und Männchen eher zufällig, in den folgenden zwei bis drei Nächten wird heftig gepaart. Das Männchen zieht allein weiter und das Weibchen bringt nach acht Wochen in einer Höhle die Jungen zur Welt, die es alleine aufzieht. Bei beiden Otter-Arten ist für uns der „brutale Schwimm­unterricht“ für den Nachwuchs die größte Überraschung. Wenn die Jungen knapp zwei Monate alt sind, nimmt die Fischotter-Mama mit dem Mund jeweils ein Kind bei der Nackenhaut, hoppelt zum Wasser, schwimmt los und taucht ein bis zwei Meter tief unter. Dort lässt sie ihren Sprössling wieder aus. Der Auftrieb befördert den Winzling an die Oberfläche und dieser rudert eilig an Land. Aber jetzt weiß er, dass er schwimmen kann!


Kommentieren


Schlagworte