Auf Schloss Ambras slawisch getanzt

Innsbruck – Denkt man an „Slawische Tänze“, so denkt man doch unwillkürlich an Antonín Dvorák, Rafael Kubelik, Bedrich Smetana oder Leoš Jan...

Innsbruck –Denkt man an „Slawische Tänze“, so denkt man doch unwillkürlich an Antonín Dvorák, Rafael Kubelik, Bedrich Smetana oder Leoš Janácek. Sie stehen geradezu für eine von slawischer Folklore geprägte Musik. Wer dächte da an Georg Philipp Telemann oder Georg Friedrich Händel. Die Lust und Freude der beiden Meister am slawischen Tonfall, konkret an der Polonaise, stand im Mittelpunkt des Festwochenkonzertes mit dem Ensemble moderntimes_1800 unter der Leitung des Geigers Ilia Korol auf Schloss Ambras. Ebenfalls zu entdecken galt es den jüngst wiederentdeckten Johann Christian Röllig (1716–1771). Werke Rölligs fanden sich 1999 in einem Archiv in Kiew. Nicht fehlen durfte an diesem unter dem Motto „Slawische Tänze“ stehenden Abend natürlich Jan Dismas Zelenka, der böhmische Meister des Barock.

Wie subtil sich doch diese Komponisten der charakteristischen rhythmischen Muster dieser Volksmusik bedienten – intelligent integriert in den Personalstil. Perfekt die Balance zwischen folkloristischem Temperament und Vergeistigung, zwischen urigem Dorfplatz und Kunstmusik. Mit moderntimes_1800 erlebt man diese Musik in ihren unterschiedlichen Facetten, mal virtuos musizierend, mal intim kammermusikalisch mit vielen klanglichen Schattierungen.

In der Besetzung Piroska­ Batori (Violine), Wolfram Fortin (Viola), Kaspar Singer (Violoncello), Walter Bachkönig (Kontrabass), Julia Moretti (Oboe), Rainer Johannsen (Fagott) und Jeremy Joseph (Cembalo) präsentierte sich selbst die ungemein kontrapunktische Kunstfertigkeit Zelenkas mit swingender Leichtigkeit und Vitalität. Rhythmischer Applaus für packenden Rhythmus und feinsinnige Sensibilität brachte nach zweistündigem Konzert dann noch eine Zugabe. (hau)


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