Hitzige Spritpreis-Rekorde, breite Front gegen Biosprit

Europa im Spritpreis-Hoch: Italiener zahlen 2 Euro pro Liter, Tanktourismus nimmt zu. VCÖ: Im Verhältnis zur Kaufkraft ist Sprit in Österreich billig.

Innsbruck, Wien –In der Hitze der Urlaubszeit zeigen die Zapfsäulenpreise europaweit nach oben. Vor allem die Italiener stöhnen: Der Preis für Super-Benzin erreichte vielerorts die Zwei-Euro-Marke. Zu einem Rekordhoch von 2,044 Euro pro Liter kam es an der Autobahn Mailand-Neapel. „Es handelt sich um den höchsten Preis, den man jemals in Italien für Benzin gezahlt hat“, klagte die Zeitung Sole 24 Ore. Am teuersten ist Sprit in Ligurien und in der Toskana. Eine Mischung aus hohen Benzinsteuern, zunehmenden Ölpreisen und Euro-Schwäche sei für das Rekordhoch des Treibstoffes in Italien verantwortlich, sagte der Chef des Ölkonzerns Eni, Paolo Scaroni.

Italienische Tankstellenpächter befürchten eine weitere Zunahme des Tanktourismus ins Ausland. Immer mehr Norditaliener reisen zum Tanken nach Tirol oder Kärnten, in die Schweiz oder nach Slowenien. Tirols Tankstellensprecherin Rebecca Neuner sieht noch keinen Boom, erwartet aber eine Zunahme des Andrangs bei grenznahen Tankstellen. Vor allem Südtiroler würden vermehrt über die ehemalige Grenze fahren. Und auch im Gebiet nahe Deutschland sei Tanktourismus „natürlich wieder ein Thema“.

Denn auch in Deutschland müssen Urlauber, Pendler und Speditionen weiter Rekordpreise für Sprit zahlen. Zu Wochenbeginn kostete ein Liter Super im Schnitt 1,691 Euro. Hierzulande sind die Preise ebenfalls steigend. In Tirol kletterten die Höchstpreise für Super gestern auf bis zu 1,59 Euro, bei Diesel auf 1,52 Euro.

Aber: Alles ist relativ. Der VCÖ rechnete vor, dass Sprit im Verhältnis zur Kaufkraft in Österreich besonders billig sei. Gemessen an der Kaufkraft „tanken die Österreicher in einem der günstigsten aller EU-Länder“, erklärte der VCÖ. Eine Tankfüllung koste um rund ein Fünftel weniger als im EU-Durchschnitt. Am teuersten ist nach diesem Maßstab Sprit in Ungarn, Bulgarien und Polen. In absoluten Zahlen ist Sprit zwar in England, Schweden, Finnland und Dänemark am teuersten, im Verhältnis zur Kaufkraft sei er aber in Nordeuropa am billigsten.

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Indes ging der Krach um den geplanten Start des Biosprits E10 in die nächste Runde: Die grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig forderte von Landwirtschaftsminister Niki Berlakovic (ÖVP), Österreich müsse angesichts der Getreidepreise aus dem Projekt aussteigen. Auch SPÖ, FPÖ und BZÖ hatten sich kritisch gegenüber der für Herbst geplanten Einführung geäußert. Tirols SP-Parteivorsitzender Gerhard Reheis sprach sich ebenfalls gegen E10 aus: „Die Ärmsten werden wieder zum Handkuss kommen. Das ist ungerecht und widerspricht jeglicher Menschlichkeit.“

Bei dem Kraftstoff E10 wird normalem Treibstoff ein Zehntel aus Getreide gewonnenes Ethanol beigemischt (siehe Grafik). Die E10-Einführung war als Maßnahme zur Erhöhung des Anteils von erneuerbaren Energien gedacht. Mittlerweile gilt aber die Herstellung von Energie aus Getreide als eine Ursache für steigende Lebensmittelpreise.

Wird in Österreich E10 mit Getreide, Mais und Zuckerrüben eingeführt, dann kommt dem Agrana-Werk im niederösterreichischen Pischelsdorf eine zentrale Rolle zu. In der Ackerfrucht-Raffinerie wird das Ethanol produziert, das dann in Schwechat zu E10 gemischt wird. Die Rohstoffe dafür kommen laut Agrana aus Österreich und den benachbarten Ländern. (wer, APA)


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