„Wollen niemanden zwangsbeglücken“

Statt des Expressbusses Lienz – Innsbruck verkehrt ab Ende September planmäßig wieder der Zug. Ob der Express zukunftsträchtig ist, entscheidet sich nach einer Kundenbefragung. Ergebnisse gibt es im Oktober.

Von Catharina Oblasser

Lienz, Innsbruck –Etwa 25 Personen sitzen durchschnittlich im Bus, wenn der Osttirol-Express von Lienz nach Innsbruck oder retour rollt. Diese Zahl, die für den Juli 2012 gilt, wurde im August noch übertroffen. Im Zeitraum von 1. bis 19. August nützten durchschnittlich sogar 29 Fahrgäste das Angebot. Das zeigen die Zahlen, die ÖBB-Pressesprecher René Zumtobel im Gespräch mit der TT präsentiert. Insgesamt zählt der Schnellbus, der als Schienenersatzverkehr während der Bauarbeiten am Brenner eingerichtet wurde, schon über 3500 Passagiere.

Der Express fährt täglich um 5.30 Uhr in Lienz ab und erreicht Innsbruck planmäßig knapp vor halb neun. Im Gegensatz zum Zug, der dreieinhalb Stunden für die Strecke braucht, ist der Bus nicht einmal drei Stunden unterwegs. Ebenso bei der Rückfahrt: Abfahrt in Innsbruck ist um 18.07 Uhr, in Lienz kommt man kurz vor 21 Uhr an. Mittlerweile scheint die Verbindung auch auf der Fahrplan-Homepage der ÖBB auf.

„Im Juli ist vor allem die Frühverbindung genutzt worden. Seit August nehmen die Fahrgäste auch die Verbindung am frühen Abend an, inzwischen sogar besser als den Frühbus“, erklärt Zumtobel. Als Spezialservice fährt der Morgen-Express nach dem Innsbrucker Bahnhof noch weiter in die Stadt hinein. Etwa 25 Prozent der Frühkurs-Passagiere bleiben laut Auskunft der Chauffeure bis zum Finanzamt sitzen.

Fraglich war längere Zeit, ob der Bus auch in der Hauptferienzeit pünktlich sein kann. Denn die Straße durchs Pustertal ist nicht nur eng und kurvig, sondern im Sommer auch extrem stark befahren. Doch zu 93 Prozent hat der Chauffeur den Fahrplan eingehalten, sagt Zumtobel, nur bei sieben Fahrten fielen Verspätungen von zehn Minuten oder weniger an.

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Trotzdem sind die Tage des Schnellbusses vorerst gezählt. Wenn die Sanierung der Brennerstrecke abgeschlossen ist, übernimmt der reguläre Zug wieder die Anbindung Osttirols an die Landeshauptstadt. Ob es dabei bleibt, richtet sich nach den Ergebnissen einer Kundenbefragung unter rund 300 Passagieren, die seit Juli läuft. „Ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut ist damit beauftragt. Die Ergebnisse werden wir, die ÖBB, gemeinsam mit ÖBB-Postbus, dem Land Tirol und dem Verkehrsverbund Tirol präsentieren“, blickt Zumtobel voraus. Wichtig sei, ob der Express bei den Osttiroler Kunden ankommt oder nicht und was die konkreten Kundenwünsche seien. „Wir wollen weiterhin niemanden zwangsbeglücken.“

Ab Oktober ist also die Bahn wieder am Zug, mit vier Direktverbindungen plus zusätzlichen Zügen am Freitag und Sonntag. Das gilt auch für den Winterfahrplan.


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