Russland versichert: Syrien wird Chemiewaffen nicht einsetzen

Nach der Drohung der USA, bei einem Einsatz von Massenvernichtungswaffen in Syrien, zu intervenieren, versucht Moskau jetzt zu beschwichtigen.

Moskau/Amman - Russland ist einem Medienbericht zufolge überzeugt, dass Syrien seine Chemiewaffen nicht einsetzen will. Die Regierung in Damaskus habe in einem „vertraulichen Dialog“ zudem versichert, in der Lage zu sein, das Arsenal sicher zu verwahren, berichtete die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch unter Berufung auf einen ungenannten Mitarbeiter des Außenministeriums. Dieser sagte dem Blatt, Russland halte es für vollkommen glaubwürdig, dass die USA ihre Drohung mit einem Militäreinsatz wahr machten, sollte Syrien die Massenvernichtungswaffen einsetzen. Das Ministerium wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern.

US-Präsident Barack Obama hat Syrien ungewohnt deutlich vor „enormen Konsequenzen“ gewarnt, falls die Regierung im Kampf gegen die Rebellen ihr Chemiewaffenarsenal einsetzt. Es gilt als das größte in der Region und soll unter anderem aus Sarin, Senfgas und VX bestehen. Besonders in Israel wird aber auch befürchtet, dass die Waffen in die Hände von radikalen Islamisten fallen, die sich den Aufständischen angeschlossen haben. „Kommersant“ berichtete, die USA hätten die Rebellen eindringlich gewarnt „nicht einmal in die Nähe der Lager- und Produktionsstätten“ vorzurücken. Die Gegner von Präsident Bashar al-Assad würden sich an die Vorgabe halten, zitierte das Blatt den Regierungsvertreter, der darin einen Beleg für den Einfluss des Westens auf die Aufständischen sah.

Die Regierung in Damaskus will die C-Waffen nach offiziellen Angaben nicht gegen die eigene Bevölkerung einsetzen. Allerdings gibt es Zweifel an dieser Zusicherung. Einem westlichen Diplomaten zufolge war Assad vor kurzem zu einem Angriff mit Massenvernichtungswaffen auf Aufständische bereit, wurde aber von seinem wichtigen Verbündeten Russland davon abgehalten. Russland bemüht sich nach Kräften, einen westlichen Militäreinsatz zu verhindern. Syrien ist ein wichtiger Waffenabnehmer Russlands und bietet der Regierung in Moskau über einen Marinestützpunkt ein wichtiges Standbein im Nahen Osten.

Bislang schwerster Armee-Beschuss in Damaskus

In Damaskus kam es Bewohnern zufolge zum schwersten Armee-Beschuss, seitdem die Assad-Truppen im Juli die Kontrolle über die Hauptstadt wiedererlangten. Auf einer Ringstraße um die Stadt seien Panzer stationiert worden, die südliche Viertel unter Beschuss genommen hätten, berichteten Einwohner. Auch Hubschrauber würden Stadtteile ins Visier nehmen. Mindestens acht Menschen seien ums Leben gekommen. „In Damaskus herrscht eine Atmosphäre wie im Krieg“, sagte ein Aktivist. Vertriebene Rebellen seien in die Stadt zurückkehrt. „Das Regime antwortet mit täglichem Beschuss und Helikopter-Bombardements.“

Auch im benachbarten Libanon kam es in der Nacht auf Mittwoch in Tripoli zu Kämpfen zwischen der sunnitischen und alawitischen Bevölkerungsgruppe. Ärzte berichteten von mindestens zehn Toten. (APA/Reuters)


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