Aufschnaiter nimmt noch einmal Medaille ins Visier

Seit über zwei Jahrzehnten zählt Sportschütze Hubert Aufschnaiter zu den Edelmetall-Garanten. Nur vor vier Jahren in Peking klappte es nicht.

Von Susann Frank

Wörgl –Fahnenträger will Sportschütze Hubert Auf­schnaiter keiner sein. Auch wenn ihm jemand diese Ehre zuteilwerden lassen würde – bei seinen immerhin schon siebten Paralympischen Spielen kommende Woche in London. „Da geht alles so streng nach Regeln und ich kann nicht einfach stehen bleiben und ein Foto schießen, den Einzug genießen“, erklärt der 49-Jährige. Dabei hätte sich der Wörgler verdient, im Rampenlicht des österreichischen Behindertensportlerteams zu stehen. Immerhin kehrte Aufschnaiter nur von den Spielen 2008 in Peking ohne Edelmetall zurück. Nach ­Seoul (1988), Barcelona (1992), Atlanta (1996), Sydney (2000) und Athen (2004) baumelten immer Medaillen um seinen Hals. Insgesamt sieben.

In London soll die achte beim Mannschaftsgold-Gewinner von Korea hinzukommen, auch wenn Aufschnaiter das so nicht sagen will. Aber doch betont, dass nur dabei zu sein für ihn zu wenig ist. So hat er sich auch erst nach dem erfolgreichen Weltcup in Fort Benning (USA) in diesem Jahr dazu entschlossen, sich für die Paralympics qualifizieren zu wollen. Diese Hürde hat Aufschnaiter leicht genommen.

Es ist wohl auch eine kleinere Hürde in seinem Leben. Die größere hatte der zweifache Familienvater (Gattin Elke, Kinder Claudia, 15, und Christina, 17) nach einem verlockenden Tiefschnee-Skitag am 6. Dezember 1983 auf der Hohen Salve in Söll zu meistern. Ein Stein, eine sich öffnende Bindung, ein Sturz: Aufschnaiter erleidet einen dreifachen Wirbelsäulenbruch und eine Skalpierungsverletzung vom Auge bis zum Hinterkopf, ist querschnittsgelähmt.

Doch damals wie heute ist der Sport sein Steckenpferd. Ob Tischtennis, Monoski, Handbike, Rollstuhlschnellfahren, Schwimmen, Basketball, Tauchen, Fischen oder Jagen, keine Sportart ist vor dem Sportreferenten und Gemeinderat der Stadt Wörgl sicher. So hat er für die Spiele in London neben dem Job zwei- bis dreimal die Woche Kraft trainiert und noch einmal genauso viele Einheiten am Schießstand verbracht. Sein Schwerpunkt lag dabei auf der Sportpistole. „Ich habe im Moment mit der Sportpistole die beste Form“, sagt Aufschnaiter. In dieser Disziplin und der Luftpistole hat er sich zum Ziel gesetzt, sich ins Finale, also unter die besten acht, zu feuern. Aufschnaiter: „Und mit etwas Glück wird es dann ein Platz unter den Top drei.“ Die Freie Pistole sieht der Tiroler eher als Ausgleich. Ebenso wie die anderen Sportarten in der britischen Hauptstadt, die er neben den berühmten Sehenswürdigkeiten in der Millionen-Metropole besuchen will. Noch einmal alle Eindrücke aufsaugen, bei seiner wahrscheinlich letzten Teilnahme unter den fünf Ringen.

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Denn nach London will Aufschnaiter kürzertreten. So darf zum Ende dann auch die Schlussfeier nicht fehlen. Mit oder ohne Medaille. Aber, so betont Aufschnaiter, auf jeden Fall auch da wieder nicht als Fahnenträger.


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