Querschüsse beim Waffenrecht

Neue psychologische Untersuchungen und ein zentrales Waffenregister: Der Zugang zu Schusswaffen wird auf Druck der EU neu geregelt. Doch es gibt etliche Probleme.

Von Marco Witting

Innsbruck –Schnellschuss war das neue Waffengesetz, das mit Herbst strengere Regelungen bei der Registrierung von Schusswaffen und auch für die psychologischen Tests vorsieht, keiner. Über zwei Jahre hat es vom Beschluss im Parlament bis zur Umsetzung gedauert. Und noch bevor es richtig losgeht, gibt es die ersten Querschüsse gegen die neuen Regelungen. Unter anderem vom Psychologenverband und den Tiroler Schützen.

Wer einen Waffenpass braucht, der muss ein psychologisches Gutachten vorlegen. Die Fragen dieses Tests werden mit der Novelle modernisiert und „es gibt die Auswahl von mehreren Verfahren für die Psychologen“, erklärt Andreas Krafack für den Verband Österreichischer Psychologen, der derartige Tests abnimmt. Dies sei ein Fortschritt zum Status quo. Bisher sei der Fragenkatalog bekannt und verwaltet gewesen. Aber: „Wer einmal bei einem Test durchgefallen ist, kann es gleich beim nächsten Gutachter wieder versuchen.“ Dadurch könnte ein „Gutachtertourismus“ entstehen. Der Verband fordert deshalb einen gesetzlichen Informationsaustausch. Krafack: „Das wäre auch für die Sicherheit der Bevölkerung ein wichtiger Schritt.“ Es komme immer wieder einmal vor, dass die waffenpsychologischen Tests negativ seien. Meist, weil Verhaltensauffälligkeiten und aggressive Störungen bei den Bewerbern um einen Waffenpass vorliegen.

Müssen in der Praxis dann auch Jäger oder Schützen zum psychologischen Test antreten? Klare Antwort: Nein.

Für Tirols Jäger ist dergleichen in der Gesetzesnovelle nicht vorgesehen. Der Tiroler Jägerverband weist aber auch darauf hin, dass es in der Ausbildung intensive Schulungen rund um das Waffenthema gibt. Gewehr bei Fuß stehe man beim Verband, wenn es um die Registrierung der Jagdwaffen geht. Mit der Umsetzung des von der EU vorgeschriebenen Zentralen Waffenregisters (ZWR) müssen sie ihre Gewehre melden. „Es fehlen aber noch die Durchführungsbestimmungen“, sagt Landesjägermeister Karl Berktold. Der Aufwand für die Behörde sei enorm. Für die Tiroler Jäger sei die Registrierung kein Problem.

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Für die Tiroler Schützen, die ihre Waffen jetzt auch vormerken lassen müssen, dagegen schon. Knapp 10.000 Waffen haben die Schützen in ihren Waffenlagern. „Das wäre ein enormer finanzieller Aufwand, das alles zu registrieren“, sagt Landeskommandant Fritz Tiefenthaler. Am 6. September gibt es deshalb einen Termin beim Ministerium. Der Plan: Die Schützen wollen ihre Waffen alle beim Bundeswaffenmeister registrieren lassen.

Ob das Ministerium dem zustimmen wird, ist unklar. Erste positive Gespräche soll es aber gegeben haben. Tiefenthaler erklärt, dass über 95 Prozent der Waffen der Schützen stets in einem dafür vorgesehenen Lager versperrt seien. Dies werde auch stets von den zuständigen Behörden kontrolliert. Alle weiteren Maßnahmen, dazu gehören für den Schützenchef auch die psychologischen Tests, würden für Tiefenthaler auch „weit über das Ziel hinausschießen“.


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