Landeschef bricht VP-Front gegen gemeinsame Schule auf

Differenzierung notwendig, aber Landhauptschulen und Südtirol sind für LH Platter Vorbilder. Schulratspräsident Hans Lintner ist skeptisch.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Schon im Vorjahr hat sich Tirols Landeshauptmann Günther Platter (VP) für ein Nachsitzen von ÖVP und SPÖ in der Bildungspolitik sowie einen Schulterschluss der konstruktiven Kräfte ausgesprochen. Als Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz verhandelt er derzeit auch das Bildungspaket mit dem Bund. Darüber schwebt aber nach wie vor eine Frage, die die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP trennt: die Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen. Von SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied wird sie forciert, von der ÖVP jedoch abge- lehnt.

Jetzt lässt Platter die ÖVP-Front jedoch bröckeln, wenngleich er weiterhin an einer Differenzierung festhalten möchte. Eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen biete, so Platter gegenüber der TT, „viele Chancen, wenn es sich nicht nur um ein Schlagwort handelt: Wenn es auch eine interne Differenzierung gibt, wenn nicht nur die Schwächeren gefördert, sondern auch die Stärkeren gefordert werden“. In den Bundesländern gebe es vor allem am Land viele Haupt- und Mittelschulen, die bereits jetzt quasi Gesamtschulen seien und den jungen Menschen beste Voraussetzungen bieten würden. „Ich bin die Debatten leid, die an den eigentlichen Herausforderungen vorbeigehen. Schultypen und Schüler gegeneinander auszuspielen, ist falsch“, fügt Platter hinzu.

Der Landeshauptmann verweist auf Südtirol, dort funktioniere die gemeinsame Schule gut. „Daran können wir uns durchaus orientieren. Das Gymnasium muss man deswegen nicht sofort abschaffen, es kann vor allem als weiterführende Schule (Oberstufe) weiter Bedeutung haben.“ Die Gesamtschule sei in Verbindung mit einer Ganztagsschule vorstellbar.

Überrascht von den Aussagen seines Chefs ist Landeschulratspräsident Hans Lintner (VP). „Für uns gibt es eine klare Linie, die mit der Wahlfreiheit umrissen ist. Neben der Neuen Mittelschule soll es weiterhin das Gymnasium in der Unterstufe geben“, verteidigt Lintner die Position. Die Differenzierung sei das Entscheidende. „Möglicherweise geht es nur um die Begrifflichkeiten“, glaubt er nicht an einen Schwenk Platters.

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Dass es Reformen auch im Tiroler Schulwesen benötige, daran bestehe kein Zweifel, sagt Lintner. Während in Tirol 31,5 Prozent der Jugendlichen eines Jahrgangs die Matura ablegen, sind es beispielsweise im Burgenland 45 bis 47 Prozent und in Südtirol 65 bis 70 Prozent. „Da haben wir sicherlich Nachholbedarf.“ Gleichzeitig verweist der Schulratspräsident auf die Lehrlingsquote von 41 bis 42 Prozent pro Jahrgang. „Die Absolventen einer Lehre in Tirol verfügen allerdings über eine hervorragende Ausbildung.“


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