Buenos dias – Semino Rossi und die kleinen Augenblicke

Tausende Fans fiebern dem Open Air von Semino Rossi entgegen. Der Schlagerstar erfüllt sich mit dem Konzert einen großen Traum.

Sepp und Helli Forcher vor ihrem Haus in Salzburg – Seit 1956 sind sie verheiratet, „und wir haben immer alles gemeinsam gemacht“. Fotos: Kammerlander
© thomas boehm

Vor acht Jahren begann Ihr kometenhafter Aufstieg in den Schlagerhimmel. Seither sind Sie der erfolgreichste und beliebteste Star im deutschsprachigen Raum. Ist so viel Popularität nicht manchmal lästig?

Semino Rossi: Wenn ich mein Zuhause verlasse, bin ich der Semino Rossi, den Menschen von seinen Auftritten kennen. Will jemand auf der Straße mit mir reden, laufe ich nicht weg. Denn mit ein paar Worten kann ich Freude schenken – das ist doch schön. Anders ist es, wenn ich mit meiner Familie privat unterwegs bin. Da bitte ich, dass man meine Privatsphäre respektiert. Das funktioniert recht gut. Und im Urlaub trage ich manchmal Kappe und Sonnenbrille.

Hat der Erfolg Sie verändert?

Rossi: Ich bin ein ganz normaler Mensch geblieben, ein Familienmensch. Die Gefahr, dass ich wegen des Erfolges abheben könnte, war nie da. Champagner und Kaviar schmecken mir nicht – ich liebe meine Familie und die einfachen Dinge des Lebens. Und wenn jemals die Gefahr bestanden hätte, dass ich abhebe, ist meine Familie da – die holt mich schnell wieder auf den Boden.

Ihre Stimme und der Dialekt sind unverkennbar. Nehmen Sie noch Deutsch-Unterricht?

Rossi: Mein Deutsch ist eine Katastrophe, aber wenn ich jetzt perfekt sprechen würde, könnte mich keiner mehr erkennen. Ich habe wirklich viel versucht, um mein Deutsch zu verbessern, aber ich fürchte, es wird immer so bleiben. Und für meine Stimme bin ich unendlich dankbar – das ist ein Gottesgeschenk.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Heuer haben Sie Ihren 50. Geburtstag gefeiert. Das ist für viele Menschen ein Wendepunkt. Bei Ihnen auch?

Rossi: Es war nicht direkt mein 50. Geburtstag. Ich habe schon vorher versucht, bewusster zu leben. Am Anfang meiner Karriere habe ich ja alles viel zu schnell gemacht. Mich haben meine Konzerte interessiert – die Umgebung habe ich nicht bemerkt. Heute kann ich den Augenblick genießen – einen Besuch im Kaffeehaus, den Sonnenuntergang oder auch den Regen. Ein Gewitter mit Blitz und Donner habe ich jetzt einmal ganz bewusst erlebt. Und jetzt sehe ich mir die Städte auch an, in denen ich Konzerte gebe.

Im Vorjahr machten Sie eine Tour mit 52 Stationen. Wie halten Sie sich denn fit?

Rossi: Ich schwimme und gehe jetzt auch gerne wandern. Ich schätze jetzt meine Umgebung in Tirol sehr und entdecke so vieles. Ich war sogar schon in St. Magdalena im Halltal.

Und wie sieht es mit Wintersport aus?

Rossi: Zweimal habe ich versucht, das Skifahren zu erlernen – mit dem Ergebnis, dass ich dann „Lawinator“ genannt wurde. Weil ich am Glungezer langsam auf zwei Skifahrerinnen zugefahren bin. Ich konnte nicht bremsen, nur noch „Achtung, Achtung“ rufen. Sie sind rechtzeitig zur Seite gefahren. Ski fahren probiere ich nicht mehr. Aber rodeln gefällt mir sehr gut. Sport im Schnee war ja für mich vollkommen fremd.

Ist die Tiroler Kost auch noch fremd? Was essen Sie denn zuhause – tirolerisch oder argentinisch?

Rossi: Beides – früher habe ich viel mehr Fleisch gegessen – jetzt mag ich alles, was meine Frau Gabi kocht: Knödel, Pasta, Spatzeln und natürlich Kaiserschmarren. Für das Grillen bin ich zuständig. Bei Süßigkeiten sollte ich aufpassen. Wenn ich Schokolade erwische, ist sie sofort weg. Ich muss aber auf meine Linie achten.

Sie sind vor vier Jahren von Hall nach Mils gezogen – wie gefällt Ihnen Ihr neuer Wohnort?

Rossi: Ich lebe gerne in Mils, fühle mich sehr wohl. Die Nachbarn sind nett und merken, dass ich ein ganz normaler Mensch bin, der all das macht, was in Familien so üblich ist.

Träumen Sie nun in Spanisch oder in Deutsch?

Rossi: Früher immer in Spanisch, zuletzt auch in Deutsch. Meist kommen meine Träume ohne Sprache aus – es sind Bilder.

Sie sind jetzt in den Vorbereitungen für Ihr erstes Open-Air-Konzert in Wattens – welchen Stellenwert hat dieses Ereignis?.

Rossi: Das ist mit Sicherheit ein Höhepunkt in meiner Karriere. Momentan probe ich die Mode- ration ein. Open Airs ha-ben mich schon bei mei- nen Kollegen fasziniert. Und so etwas wollte ich gerne verwirklichen. Schwierig war die Suche nach einem geeigneten Platz. Ich wollte unbedingt, dass der Platz betoniert ist, bei den Kristallwelten in Wattens habe ich ihn gefunden. Wiesengelände wäre problematisch, weil bei Regen der Boden aufweicht. Das möchte ich meinen Gästen nicht zumuten.

Wie viel Arbeit steckt denn in so einem Projekt?

Rossi: Auf alle Fälle wesentlich mehr, als ich gedacht hatte. Es ist so vieles zu überlegen – Bühne, Plätze, Polizei, Feuerwehr. Und das alles für einen einzigen Abend. Die Bühne kommt aus Deutschland, die Sessel aus der Schweiz. Viele Menschen helfen mit, dass das Open Air ein Erfolg wird. Wir liegen im Plan und alle hoffen, dass auch das Wetter mitspielen wird.

Neben Eva Lind wird auch der zweimalige Songcontest-Gewinner Johnny Logan auftreten. Wie ist dieser Kontakt entstanden?

Rossi: Bei einer Fernsehsendung haben wir uns kennen gelernt, ich habe ihn immer schon bewundert. Damals hatte ich ein Benefizkonzert in Argentinien geplant und ich habe ihn gefragt, ob er mitmachen will. Er und Andrea Berg haben meine Idee unterstützt und sind gratis aufgetreten. Es war großartig.

Welches Projekt wurde dabei unterstützt?

Rossi: ,Juntos podemos crecer‘ heißt meine Stiftung, die Kinder in meiner Heimat unterstützt. Dort gibt es große Armut. Wir versuchen, Kindern eine bessere Zukunft zu geben. Schwester Maria Jordan konnte für ihre Armenküche Grundnahrungsmittel kaufen und Heizöfen. In den fünf Jahren des Bestehens haben wir fast 40.000 Euro an Spenden bekommen. Meine Fans und ich sind glücklich, wenn wir helfen können.

Wie sehen die Pläne nach dem Open Air aus?

Rossi: Eine neue CD ist geplant. Jetzt beginnt die schwierige Titelsuche. Die Angebote von Produzenten und Komponisten werden geprüft. Auf einer CD haben nur 15 bis 18 Lieder Platz. Oft muss man auch etwas weglassen, das wirklich gefällt. Das tut immer weh.

Komponieren Sie auch selbst?

Rossi: Ich komponiere nie selbst, nur wenn mich etwas ganz, ganz tief bewegt, muss dieses Lied in dieser Stimmung auf die CD. So sind ein indianisches Lied und das „Ave Maria“, mein „Ave Maria“ entstanden.

Wer ist für die Moderationen oder die Tour-Choreographien verantwortlich?

Rossi: Die Grundidee ist von mir. Ich notiere mir, was ich sagen will, und der Buchautor schreibt das. Meine Vorstellungen von der Show erzähle ich dem Choreographen, der dann die letzte Entscheidung hat. Aber ich sehe in Gedanken schon, wo der Chor steht und wann und wie getanzt wird.

Gibt es Duett-Wunschpartner und bleiben Sie Ihrem Musikstil treu?

Rossi: In der Musik ist so vieles möglich, da kann ich mir viele Partner vorstellen. Sicher ist, dass ich meiner Musikrichtung treu bleibe.

Wünsche für die Zukunft?

Rossi: Da habe ich nur einen sehr großen Wunsch: Dass alles so bleibt, wie es momentan ist. Ich bin sehr dankbar für alles.


Kommentieren