In Rage wegen Hansis Gage

Hansi Hinterseers Forderung nach 500.000 Euro Zuschuss wird heftig diskutiert. Dass seine Fanwoche auch außerhalb von Kitzbühel funktioniert, glauben die wenigsten.

Von Katharina Zierl

Kitzbühel –Ein Mann, ein Ort. Naturbursch am Hahnenkamm. Klischee in Wort und Bild. Idylle auf der ganzen Linie. Hansi ohne Kitzbühel, Kitzbühel ohne Hansi? Für viele undenkbar. „Hinterseer und Kitzbühel ergänzen sich perfekt. Er passt einfach dorthin“, meint etwa Alfons Parth, Obmann des Tourismusverbands Paznaun-Ischgl­. Mit Top-Gagen von Top-Stars kennt er sich aus. Zum Saisonstart und -ende wartet der Ort mit A-Promis auf. Rihanna­, Katy Perry, Alicia­ Keys. „Die internationalen Stars sind alle sehr teuer, aber für uns lohnt sich das“, erklärt der TVB-Chef.

Ob es sich auch für Kitzbühel lohnt, der aktuellen Zuschuss-Forderung von Hansi Hinterseer nach 500.000 Euro nachzukommen? „Das muss jeder selbst entscheiden, wie viel ihm das wert ist. Da geht‘s um eine Kosten-Nutzen-Rechnung“, gibt sich Parth pragmatisch.

Kosten und Nutzen. Hansis Nutzen für Kitzbühel ist laut Experten enorm groß. Das wird auch die zehnte Auflage der Fanwanderung morgen Donnerstag zeigen. Im vergangenen Jahr folgten mehr als 10.000 Hansiaten ihrem Idol auf den Hahnenkamm. Wanderten, schunkelten und erfreuten sich in kollektiver Glückseligkeit an ihrem Hansi.

Ein Blick auf die Tourismus-­Zahlen spricht jedenfalls für sich: Ein Plus von bis zu 50.000 Nächtigungen bringt die Veranstaltung, allein die direkte Wertschöpfung dürfte sich für die Region auf rund 2,5 Millionen Euro belaufen. Sagt Kitzbühels TVB-Chef Christian Harisch, der mit der Forderung von Hinterseer so seine Probleme hat. Bislang gibt es für 2012 keinen Vertrag, die Fanwoche wackelt – die TT berichtete exklusiv.

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Ob Hinterseer, falls es auch nach dem Event zu keiner Einigung mit Kitzbühel kommen sollte, mit seinem Event in einen anderen Ort abwandern will, ist offen. Ein Schritt, den sich Kitzbühels berühmtester Sohn „drei Mal überlegen sollte“. Zumindest wenn es nach Hermann Erler, Geschäftsführer des TVB Tux-Finkenberg, geht. Die Veranstaltung sei schließlich in Kitzbühel gewachsen. Gehe Hinterseer mit dem Event von dort weg, „fehlt das Salz in der Suppe“. Erler bezweifelt stark, „dass sich das alles so einfach woanders aufziehen lässt“. Allein die Bilder vom Hahnenkamm, wenn Hinterseer mit seinem Floß über den See gleitet, „sind wohl nicht zu kopieren“.

Erler hat durchaus Erfahrung mit Idolen, weiß um ihre große touristische Bedeutung. Fanden doch in Finkenberg jahrelang umjubelte Open-Air-Konzerte der Schürzenjäger statt. Ebenfalls von Jahr zu Jahr gewachsen, in den 90er Jahren besucht von 60.000 euphorischen Fans. Als sich die Band dann dazu entschieden habe, das Spektakel in Walchsee zu veranstalten, „gab es bei uns vor Ort schon Katerstimmung“. Man sei sehr froh gewesen, als die Schürzenjäger dann doch wieder in Finkenberg auftraten.

Von einer engen Verbindung mit der Region, in der alles anfing, weiß auch Alfred­ Eberharter, der mit den Schürzenjägern ein erfolgreiches Comeback gestartet hat, zu berichten. „Die Band und Finkenberg sind untrennbar miteinander verbunden. Allein wegen der langen Tradition.“ Dass Sangeskollege Hinterseer jetzt eine halbe Million Euro für seine Fanwoche fordert, kann Eberharter nicht nachvollziehen. „Das halte ich schon für übertrieben. Eine gewisse finanzielle Unterstützung ist sicher angebracht, aber in dieser Höhe ist das nicht gerechtfertigt“, sagt Eberharter.

Natürlich gebe es eine hohe Umwegrentabilität, wie TVB-Chef Erler betont: „Den Werbewert kann man nicht beziffern. Er liegt sicher um ein Vielfaches höher als die Summe, die Hinterseer fordert.“ Und trotzdem: „Eine halbe Million Euro ist für die meisten Tourismusverbände nur sehr schwer für eine Veranstaltung aufzubringen“, sagt Erler. Hinterseers Manager Michael König teilte gestern mit, dass der Sänger sich das Geld ja nicht in die Tasche stecke, „sondern dass ich als Veranstalter mit Open Air und Fanwanderung eine Großproduktion finanziere“.

Bevor eine mögliche Abwanderung Hinterseers überhaupt zum Thema wird, steht morgen erst einmal die Fanwanderung am Programm – mit dem Naturburschen am Hahnenkamm.


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