Nach Tötung von Frau und Kindern: Vater hinterließ Abschiedsbriefe

Ein 69-Jähriger erstickte in Berlin seine Frau und seine beiden Söhne, dann richtete er sich selbst. Die knapp einjährige Tochter brachte er zuvor ins Krankenhaus.

Berlin - Ein Vater, der für die Tötung seiner Frau und zweier Kinder in Berlin verantwortlich ist, hat einen seiner Abschiedsbriefe an die Redaktion der „Bild“-Zeitung geschickt. Dies berichtet das Blatt am Donnerstag. Seine grausame Tat erklärte er mit „fürsorglicher Liebe“.

Der 69-Jährige hatte seine 28 Jahre alte Frau sowie seine beiden kleinen Söhne in der gemeinsamen Wohnung im Stadtteil Gatow getötet, bevor er sich selbst erstickte. Eine knapp einjährige Tochter überlebte. Der Vater hatte sie am Sonntagabend anonym in einer Babyklappe abgegeben, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Er hoffe, so geht aus seinem Schreiben hervor, dass die Kleine „liebevolle Ersatzeltern“ bekomme.

Vier Abschiedsbriefe

„Bild“ zitiert aus dem Brief: „Ich tat dies alles in voller Verantwortung und bei vollkommen klarem Bewusstsein aus fürsorglicher Liebe, denn unsere Gesellschaft hat für Versager nur „den Platz unter der Brücke“.“

Es gebe mehrere Abschiedsbriefe, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Einer lag demnach neben dem toten Mann. Drei weitere sollen an verschiedene Empfänger verschickt worden sein. „Das klingt nach einer absolut geplanten Tat“, sagte der Sprecher.

Offenkundig hatte der Familienvater große finanzielle Probleme. Seine Frau habe die Belastung nicht mehr ertragen. Die Zeitung zitiert ihn mit den Worten: „Mehrmals sagte meine Frau..., dass wenn die Kinder nicht wären, sie schon längst aus dem Fenster gesprungen wäre...“ Sein Töchterchen habe er verschont: „Sie ist noch sehr jung und kann sich an neue Gegebenheiten sicherlich recht schnell gewöhnen. ... Sie soll eine Chance haben, unter liebevollen Ersatzeltern vielleicht doch eine unbelastete Zukunft haben zu können.“

In dem Brief aus der Wohnung der Familie werde die Tat chronologisch geschildert, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, mit. Demnach brachte der Mann zunächst seine Frau, dann die Söhne um. Danach sei er zum Waldkrankenhaus Spandau gefahren, um die kleine Tochter abzugeben. Anschließend sei er zurückgekehrt. Dort soll er sich erst später das Leben genommen haben.

Jugendamt sucht Pflegeeltern für Mädchen

Eine Sprecherin des Waldkrankenhauses sagte, das abgegebene Mädchen sei gesund und gepflegt gewesen. Die Kripo sei sofort informiert worden. Am Montag sei die Kleine in die Obhut eines Kinderheimes gekommen. „Dem Mädchen geht es gut, es wird in der Einrichtung rund um die Uhr versorgt“, sagte der Spandauer Jugendamtsleiter Reinhold Tölke der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Das Amt sei vom Familiengericht als Vormund bestellt worden und prüfe nun, wie die etwa Einjährige weiter untergebracht wird.

„Die Großeltern mütterlicherseits sind am späten Mittwoch in Berlin eingetroffen und haben die Kleine bereits gesehen“, sagte Tölke. „In einem ersten Gespräch am Abend haben sie signalisiert, das Kind aufnehmen zu wollen. Wir geben ihnen alle Möglichkeiten, das Mädchen zu sehen.“ Das aus Süddeutschland stammende Paar sei noch nicht im Rentenalter. Ob sie ihre Enkeltochter in Pflege nehmen können, werde geprüft.

Zugleich werde nach weiteren Verwandten gesucht. Möglich sei auch, dass das Mädchen in eine Pflegefamilie komme. „Alle Optionen sind offen“, sagte Tölke. Das Mädchen weise bislang keine Auffälligkeiten auf. „Wir wissen nicht, was es von all dem mitbekommen hat. Es wird sich zeigen, ob das Kind Traumata davonträgt.“ (APA/dpa)


Kommentieren


Schlagworte