Westen rückt näher an die syrischen Rebellen heran

Die USA, Großbritannien und Frankreich sowie die Türkei sprechen offenbar über Szenarien für ein militärisches Engagement in Syrien.

London, Damaskus –Angesichts des Stillstands in der Syrien-Diplomatie stellen sich die Westmächte immer offener hinter die Rebellen. Die jüngsten Hinweise darauf kommen aus dem Büro des britischen Premierministers David Cameron nach Telefonaten mit US-Präsident Barack Obama und Frankreichs Präsident François Hollande.

Zum einen unterstützte Cameron die indirekte Drohung Obamas, in Syrien militärisch zu intervenieren, falls das Regime von Präsident Bashar Assad Chemiewaffen einsetzen sollte. Dies wäre „vollkommen inakzeptabel“ und würde London und Washington „zwingen, ihre bisherige Herangehensweise zu überdenken“, erklärte Camerons Büro.

Zum anderen ließ Cameron mitteilen, London, Washington und Paris wollten weiterhin die Rebellen unterstützen und eine „glaubwürdige Opposition“ aufbauen. Die Zersplitterung der Anti-Assad-Kräfte gilt als besondere Herausforderung bei einer möglichen Neuordnung Syriens nach dem Sturz Assads.

Zugleich koordinieren die USA ihr Vorgehen mit der Türkei, die ebenfalls auf der Seite der syrischen Rebellen steht. Experten beider Länder tagten am Donnerstag in Ankara erstmals im Rahmen einer gemeinsamen Arbeitsgruppe. Dabei soll es dem Vernehmen nach unter anderem um die Sicherheit der syrischen Chemiewaffen und um eine militärisch gesicherte Pufferzone zwischen der Türkei und Syrien gegangen sein. Außerdem wollen die USA und die Türkei angeblich verhindern, dass es im Fall eines Sieges der vorwiegend sunnitischen Rebellen zu Racheakten gegen Minderheiten kommt, die das Regime gestützt haben. Dies betrifft auch die Christen.

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Im Bürgerkrieg konzentrierten sich die Kämpfe am Donnerstag weiterhin auf die Metropolen Damaskus und Aleppo. Regimetruppen griffen in den Millionenstädten Stellungen der Rebellen an. Bereits zu Mittag war die Rede von mindestens 55 Toten.

Auch im benachbarten Libanon gingen die Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern des Assad-Regimes weiter. In der nördlichen Hafenstadt Tripoli sind am Übergang zwischen einem sunnitischen und einem alawitischen Viertel bereits zahlreiche Gebäude von Kugeln durchsiebt. Heckenschützen und Milizen regieren die Straße. Es gab bereits zahlreiche Tote. Die Armee des Libanon scheint gegen diesen Export des syrischen Bürgerkriegs machtlos zu sein. (TT, dpa, APA, AFP)


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