Einkauf ist in Tirol besonders teuer

Steigen die Nahrungsmittelpreise, müssen die Tiroler laut Studien noch tiefer in die Tasche greifen als etwa Wiener oder Deutsche.

Von E. Ruß und C. Stieber

Innsbruck –Der Westen is(s)t teurer: Nach Berechnungen der Statistik Austria betragen die Gesamtausgaben eines typischen österreichischen Haushalts 2910 Euro im Monat. Davon entfallen durchschnittlich 12,1 % auf Lebensmittel und alkoholfreie Getränke. In Wien liegt dieser Anteil bei 11,3 %, in Tirol aber bei 12,5 %.

Laut Wirtschaftsförderungsinstitut hat Österreich bei den Nahrungsmitteln das vierthöchste Preisniveau in der EU. Nach Daten von 2011 bzw. dem ersten Quartal 2012 stiegen die Nahrungsmittelpreise in Österreich um 4,4 %, während es im Euroraum 2,5 % waren.

Besonders deutlich waren die Teuerungen bei Speiseöl mit 10,5 % gegenüber 4,5 % im Euroraum, Brot (3,3 gegenüber 2,5 %), Milch/Käse/Eiern (5,2 gegenüber 3 %), Fleisch (2,9 statt 2,4 %) und Obst (12,8 statt 2,7 %) sowie Kaffee (18,1 statt 10,4 %).

Verglichen mit Deutschland machte die Differenz 1,5 % aus. Für November 2011 ergab ein AK-Preismonitoring, dass der Warenkorb mit den 40 preiswertesten Lebensmitteln in Berlin um zehn Prozent günstiger war als in Wien. Die Arbeiterkammer wettert hier gegen einen „Österreich-Aufschlag“. Bei verschiedenen Nahrungsmitteln seien die Preiserhöhungen nämlich nicht durch internationale Entwicklungen erklärbar.

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Laut AK summieren sich die Mehrkosten für Essen, Wohnen und Energie monatlich auf 70 Euro. Zangerl geißelt deshalb auch den Bio-Sprit als „gewaltige Lebensmittelverschwendung, an der einige wenige verdienen. In Europa zahlen das die Konsumenten mit hohen Lebensmittelpreisen, in anderen Ländern wird gehungert.“

Sind Lebensmittel nun wirklich zu teuer? Erst jüngst meldeten sich Gegenstimmen: Laut der Agrarmarketing Austria (AMA) werden viele Lebensmittel sogar unter Wert verkauft. „Dass Zahnpasta teils teurer ist als Grillhühner, ist ja widersinnig“, sagte AMA-GF Stephan Mikinovic am Donnerstag. Eine Gegenüberstellung der Realeinkommen mit dem Verbraucherpreisindex zeigt jedoch, dass Lebensmittel in den vergangenen 12 Jahren tatsächlich überdurchschnittlich teurer geworden sind: Laut jüngsten Berechnungen der Oesterreichischen Nationalbank ist das Realeinkommen der Österreicher von 2000 bis 2010 inflationsbereinigt um 12,2 % gestiegen. Der Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke stieg laut Statistik Austria indes von 2000 bis 2011 um satte 30,7 %.


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