Feuer am Wacker-Dach, Rute im Fenster

Nach außen hin ist alles ganz ruhig beim FC Wacker Innsbruck. Sogar die Handys scheinen nicht zu klingeln. Innerlich brodelt es jedoch. Das weiß seit gestern auch Trainer Walter Kogler.

Von Susann Frank

Innsbruck –Wie schnell im Fußball das gesprochene Wort von gestern ins Land der Märchen verschoben wird, das beweist die Vorgehensweise der Vereinsverantwortlichen des FC Wacker Innsbruck gerade. Nach der blamablen Heim-Niederlage vergangenen Samstag gegen Wiener Neustadt (2:3) betonte Obmann Kaspar Plattner noch, dass sich für den Unternehmer die Trainerfrage nicht stelle.

Eben dieses Thema war jedoch der Anlass für ein geheimes Treffen des Vorstandes samt Obmann am Dienstagabend. Außerhalb des Tivolistadions, damit auch wirklich keiner etwas mitbekommen sollte. Gestern Morgen traf sich dann ein Teil mit Trainer Walter Kogler, um ihm in einem Gespräch darzulegen, wie der Vorstand die sportliche Schieflage (Tabellenletzter) derzeit beurteile und dass sich etwas ändern müsse, wenn er seinen Job weiter behalten wolle. Zwei Spiele mit klarem Aufwärtstrend sollen vorgegeben worden sein. Eine schwierige Aufgabe. Immerhin steht dabei einmal das morgige Auswärtsspiel beim Tabellen-Zweiten Austria Wien an und die Woche darauf das Heimspiel gegen Red Bull Salzburg.

„Wir haben über sehr vieles geredet, aber das müssen wir nicht nach außen tragen“, sagte Kogler gestern. Er war übrigens der Einzige, der für ein Statement zu erreichen war. Obmann Kaspar Plattner nahm die Gespräche nicht an und andere Vorstandsmitglieder wollten sich öffentlich zu der Causa nicht äußern.

Dabei gäbe es einiges zu besprechen. Bei den Zusammentreffen des Vorstandes kristallisierten sich schließlich drei Brennpunkte heraus.

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1 Vorstand: Die finanzielle Problematik spielt nicht nur bei der von Walter Kogler geforderten Verstärkung in der Defensive eine Rolle, sondern auch bei der Trainerfrage. Schließlich besitzt der 44-jährige Kärntner noch einen Vertrag bis zum Ende der Saison. Eine Entlassung würde somit zusätzliche Kosten für den Verein bedeuten. Geld, das nicht da ist. So erklärte Kogler auch, dass ihm der Vorstand zu verstehen gegeben habe, es nicht für notwendig zu halten, dem Kader einen weiteren Spieler hinzuzufügen. Kogler, der nach dem Spiel der Abwehr noch die Bundesligatauglichkeit abgesprochen hatte, betonte selbst: „Ich bin mir auch sicher, dass der Kader für den Klassenerhalt stark genug ist. Aber umso weiter vorne man landen will, umso geringer wird diese Chance.“

2 Trainer/Mannschaft: Die Spieler schworen sich vorgestern bei einem Zusammentreffen darauf ein, sich ab sofort selber bei der Nase nehmen zu wollen, um wieder hochzukommen. Aber wollen sie das auch für den Trainer? Diesbezüglich ist sich der Vorstand nach den unerklärlichen Ballverlusten, den Fehlpässen und den kapitalen Abwehrfehlern im vergangenen Spiel und anschließenden persönlichen Gesprächen nicht mehr sicher. Eher stellen sich die Verantwortlichen nach diesem Auftritt die Frage, ob der Trainer die Mannschaft noch erreichen kann.

3 Trainer/Sportlicher Leiter: Wenn von Oliver Prudlo und Walter Kogler gesprochen wird, fällt immer wieder der Ausdruck „dynamisches Duo“. Aufgrund des Zusammenhalts des Sportdirektors und des Trainers, die auch schon in ihrer aktiven Zeit als Verteidiger beim FC Tirol in derselben Reihe standen. Doch jetzt soll Kogler dem Vorstand gesagt haben, dass eine mangelhafte Kommunikation zwischen ihnen bestehen würde. Auch Prudlo war diesbezüglich gestern nicht mehr zu erreichen.

Kogler jedenfalls glaubt an sich und das Team: „Auch wenn die Austria klar Favorit ist, ist es möglich zu punkten.“ Würde das Eintreten, wäre wiederum wohl die Trainerfrage Geschichte.


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