Statt Gymnasium nur noch ein gymnasialer Zweig

Von Rot, Grün, Dinkhauser bis zu ÖGB, Wirtschaftsbund und AK: Platters Gesamtschulvorstoß führt zum politischen Schulterschluss.

Innsbruck –Jetzt muss VP-Landeshauptmann Günther Platter nur noch die eigenen Parteifreunde im Bund und im Landesschulrat von den ideologischen Fesseln befreien und Taten setzen. Das erwarten sich Parteifreunde, aber auch die Opposition. Bildungs-LR Beate Palfrader (VP) sprach gestern von einem langfristigen Prozess zur Umsetzung der Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen. „Durch eine gemeinsame Schule wird die Kluft zwischen bildungsnahen und bildungsfernen Schichten kleiner. Schulen, die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Begabungen sowie unterschiedlichem sozialen und kulturellen Hintergrund zusammenbringen.“

Trotzdem benötigt es für sie eine Differenzierung. „Wir müssen offen und ohne Scheuklappen über die Modelle reden.“ Palfrader kann sich einen gymnasialen Zweig in der Gesamtschule vorstellen. Dass das Gymnasium damit ausgedient hat, ist für sie eine logische Konsequenz.

Nach dem Vorstoß Platters hoffte gestern Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) doch noch auf eine Grundsatzentscheidung mit dem Koalitionspartner. Der Schwenk in der Tiroler ÖVP führte in Tirol bereits zu einem Schulterschluss in der Bildungspolitik. Für alle Parteien und Interessenvertretungen ist die Gesamtschule ein Gebot der Stunde:

LA Elisabeth Blanik: „Jetzt liegt es an Platter, seinen Einfluss in der ÖVP einzusetzen, um mittelfristig die Unterstufe in der jetzigen Form abzuschaffen und kurzfristig die Gymnasien näher an die Neue Mittelschule heranzuführen sowie die VP-nahe Lehrergewerkschaft ins Boot zu holen.“

LA Gottfried Kapferer (Liste Fritz): „ Das wichtigste Ziel heißt ,Gleiche Chancen für alle Kinder‘. Im Bildungsbereich darf es keine Zweiklassengesellschaft geben.“

LA Gebi Mair (Grüne):

„Es ist Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Lasst uns gemeinsam einen Modellstandort Innsbruck verwirklichen.“

LA Gerald Hauser (FPÖ):

„Ich bin als Teil der Wahlmöglichkeit für eine Gesamtschule. Das differenzierte System mit den Gymnasien muss aber erhalten bleiben.“

AK-Chef Erwin Zangerl (VP):

„Ich erhoffe mir von diesem Vorstoß, dass nunmehr alle vernünftigen und gegenwartsbezogenen positiven Kräfte in der ÖVP diese Position in ihren Parteigremien vertreten werden.“

Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer (VP):

„Es braucht keine gesetzlich festgelegte Differenzierung in Bezug auf Gymnasium oder Neue Mittelschule. Zusätzlich braucht es noch die freie Wahl für Schüler und Eltern, wo sie zur Schule gehen möchten.“

ÖGB-Chef Otto Leist (SP):

„Es ist in unzähligen Studien belegt, dass die frühe Zuweisung in Hauptschule oder Gymnasium auch eine Selektion in soziale Schichten ist.“

Innsbrucks BM Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck): „Wir freuen uns sehr, dass unsere Vorhaben aufgegriffen werden und ein Umdenken im Land erfolgt. Gerne sind wir bereit, gemeinsam mit Land und Bund rasch eine gemeinsame Schule der Sechs- bis Vierzehnjährigen in der Stadt Innsbruck zu starten.“ (pn)


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