Neonazis verdienen Millionen mit Musik und Klamotten

Neonazis als Unternehmer: Der Vertrieb von Musik und Kleidung wird für deutsche Rechtsextremisten als Geldquelle immer wichtiger.

Potsdam – Die Szene verdiene damit inzwischen jedes Jahr mehrere Millionen Euro, warnten Experten am Donnerstag in Potsdam bei einer Fachtagung des Verfassungsschutzes der Länder Brandenburg und Sachsen zu Finanzströmen im Rechtsextremismus.

Danach spielen die Einnahmen der bei Wahlen zuletzt weitgehend erfolglosen NPD aus staatlicher Parteienfinanzierung nur noch eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist der Versand von „Hassmusik“ und Propagandamaterial, aber auch von unscheinbarer Kleidung, Schmuck, Kosmetika und anderen Alltagsgegenständen. Damit würden rechtsextreme Strukturen gestärkt und ausgebaut. Ein Beispiel ist die populäre Modemarke „Thor Steinar“.

„Manche Rechtsextremisten leben regelrecht vom Rechtsextremismus – und teilweise sogar sehr gut“, sagte Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD). Der Szene müsse deshalb „wo immer nur möglich der Geldhahn zugedreht“ werden, forderte er.

Einen Spitzenplatz nimmt den Experten zufolge das Land Sachsen ein, wo die von Neonazis geführte Musik- und Vertriebsszene heute pro Jahr etwa 3,5 Millionen Euro erwirtschafte. Zum Vergleich: Die Einnahmen aus der staatlichen Parteienfinanzierung werden bundesweit auf jährlich 3 Millionen Euro beziffert. „Da hat sich eine kleine wirtschaftliche Parallelgesellschaft aufgebaut, die nicht unterschätzt werden sollte“, hieß es. Die Kundenströme reichten weit über die Landesgrenzen hinaus, nicht wenige deutsche Neonazi-Waren gingen ins europäische Ausland. (dpa)

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