Opels Athlet eilt in Gala-Uniform

Im Coupé-Maßanzug zeigt sich der Astra GTC, mit fortschrittlicher Fahrwerkstechnik empfiehlt er sich für die schärfere Gangart – für diese bringt sich der 180 PS starke 1,6-Liter-Turbobenziner in Stellung.

Von Markus Höscheler

Innsbruck –Scharf geschnitten, noch schärfer gewürzt: Der Astra GTC hat das Ästhetik suchende Auge rasch zum Verharren verführt, den Beobachter zügig zur Sitz- und Fahrprobe animiert. Nach dem Start ist es um den Lenker geschehen: Die von den Opel-Ingenieuren gepflegten Talente des kompakten Coupés entwickeln eine ungeahnte Überzeugungskraft.

Aber zunächst gebührt der Optik die Aufmerksamkeit: Das sich hinten absenkende Dach, der Dachspoiler, das schräge Heckfenster und die Abrisskante tragen zu einem attraktiven Erscheinungsbild des Dreitürers bei. Zusätzliche Spannung erzeugen die Radhäuser und die Karosserieeinschnitte oberhalb der Seitenschweller. Die Bügelfalte zaubert Abwechslung auf das Blech der Motorhaube – in Summe ist der Astra GTC der gewünschte Coupé-Blickfang.

Die Leistung der Designer allein wäre jedoch bei allem Respekt zu wenig, um zur Aneignung zu bewegen: Es braucht ein adäquates Innenleben – gut, dass die Opelaner auf diese Ansprüche nicht vergessen haben. Passgenaue und seitenhaltförderliche Sportsitze aus Stoff und Ledernachbildung, Teil der höherwertigen Sport-Ausstattung, laden zum längeren Verweilen ein. Klare Instrumente machen kein Geheimnis aus wichtigen Fahrzeuginformationen. Und eine Vielzahl von Schaltern, verstreut über die Mittelkonsole, zeugen davon, dass der Astra GTC häufig gedrückt werden möchte. Der pariert solche Aktivitäten mit veränderten Einstellungen, etwa bei der angenehmen Zwei-Zonen-Klimaautomatik.

Die Bedienung der Schalterarmada mag anfangs den einen oder anderen überfordern, doch Lernbereite kommen bald auf ihre Kosten – zum Beispiel bei der Veränderung des optionalen FlexRide-Fahrwerks (ab 707,55 Euro netto). Es stellt drei Stufen zur Verfügung, kann den Astra GTC in der Folge auf mehr Komfort oder auf mehr Sport trimmen. Dass die Grundauslegung des Coupés Richtung Fahrdynamik geht, beweist allerdings die serienmäßige Bestückung mit der so genannten HiPerStrut-Vorderachse. Diese Technik entkoppelt die Antriebskräfte von den Lenkkräften. Als Konsequenz haben Drehmoment-Störenfriede bei Richtungswechseln ausgedient.

In der Tat bewältigt der direkt einlenkende und vorderradangetriebene GTC mit Bravour kehrenreiche österreichische Passstraßen. Kraftverluste bleiben Mangelware, keine Selbstverständlichkeit angesichts der 180 PS starken Mitgift unter der Motorhaube. Der Vierzylinder-Turbobenziner mit 1,6 Litern Hubraum hat genügend Mumm, um dem fast 1,5 Tonnen schweren Dreitürer die der Optik entsprechende Dynamik zu verleihen. Solide ist der Testverbrauch von 8,5 Litern je 100 Kilometer. Das Fahrerlebnis findet eine Aufwertung im knackigen Sechsgang-Handschalter.

Ein weiteres Abenteuer bietet das Rückwärtsfahren, geschuldet der Coupé-Konstruktion. Die breite C-Säule und das flache Heckfenster schränken die Übersicht ein, der aufpreispflichtige Park Pilot hinten (ab 314,47 Euro netto) verdient damit unsere Empfehlung. Diese zieht sich weiters der Aufenthalt im Fond zu: Mit 1,8 Metern Größe lässt es sich auf dem Rücksitz aushalten.

Nun zum Haushalten: Den Astra GTC in der erwähnten Sport-Ausstattung bietet Opel derzeit ab 25.590 Euro an. Natürlich geht es günstiger, die Preisliste beginnt bei 19.690 Euro. Dann sind Abstriche beim Motor und bei der Ausstattung in Kauf zu nehmen: Ein 100-PS-1,4-Liter-Benziner steckt hinter dem Kühlergrill, die Ausstattung Edition muss genügen – wobei sie schon einiges von dem enthält, was richtig scharfmacht.


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